Essig-Beere

Ich fand Berberitzen (Berberis vulgaris) mein Lebtag langweilig. Für mich waren sie das Stereotyp einer abwehrenden Hecke. Dornenbewehrt, schnittverträglich, unscheinbar. Immerhin sind die Früchte als sogenannte Wintersteher bei Vögeln begehrt.

So bisschen spannender wurde es dann, als ich erfuhr, dass die Beeren essbar sind. Oder sollte ich besser sagen - nutzbar? Denn sie sind sauer, dank 6% Apfelsäure und anderer Fruchtsäuren sogar richtig sauer. Nicht umsonst nennt der Volksmund die Berberitze auch Essigbeere oder Sauerdorn.
Und wie es so oft ist, wenn man sich näher mit einer Sache beschäftigt, wurde die Berberitze auf der Suche nach Verwendungsmöglichkeiten für die Beeren von unserem Strauch in der Auffahrt immer interessanter.

Ein höchst erstaunliche Fähigkeit ist, dass die Berberitze laut einer Studie bei einem Insektenbefall durch die Sauerdorn-Borfliege (Rhagoletis meigenii) den befallenen Samen abtöten kann. Dabei kann die Pflanze sogar zwischen Früchten mit einem oder zwei Samen unterscheiden. Nur bei befallenen Früchten mit zwei Samen wird vorbeugend einer abgetötet, um die Larve der Bohrfliege an der Entwicklung und dem unweigerlichen Auffressen beider Samen zu hindern. Ist nur ein Same in der befallenen Frucht angelegt, unterbleibt das Abtöten des Samens, um die Chance zur Fortpflanzung zu nutzen, falls die Larve aus anderen Gründen absterben sollte. [Quelle: Wikipedia] Ist das nicht unglaublich?

Aber bei meiner ursprünglichen Fragestellung half mir diese Erkenntnis jetzt nicht so viel weiter. Nun - die Wurzel und Rinde der Berberitze wurde früher zu Gelbfärben von Leder, Holz und Textilien genutzt und das harte Holz war und ist für Drechsel- und Einlegearbeiten sehr beliebt. Aber wir hatten ja nicht vor, den Strauch zu fällen.

Typisch ist ja irgendwie mal wieder, dass an der Essigbeere bis auf die Früchte so ziemlich alles andere giftig ist. Der Hauptwirkstoff - das Berberin, das auch für die Gelbfärbung verantwortlich ist - ist für die Arzneimittelforschung interessant, da eine lipid- und blutzuckersenkende Wirkung beobachtet wurde. Aber das ist nix zur Selbstmedikation!
 
Nur die roten Früchte sind weitgehend frei von Berberin, dafür sind sie sehr vitaminreich. Sie finden besonders in der orientalischen Küche Verwendung, allen voran im Iran. Der Klassiker ist süß-sauerer Berberitzen-Reis. Sehr lecker! Aber aus unserer diesjährigen Ernte wollte ich etwas anderes machen.

Deshalb hab ich mir gedacht: Wenn die Teile schon Essigbeere heißen, dann mach ich doch einfach Essig draus. Pflücken musste ich die nötigen Beeren dafür allerdings alleine. Der Herr Krautgärtner weigert sich standhaft, in den picksigen Strauch zu greifen. Er macht dann lieber - unvorteilhafte - Fotos. Aber der fertige Essig schmeckt ihm dann auch. :-)

Berberitzen-Essig

200 g frische Berberitzen
400 ml Rotweinessig
100 g Zucker 

Die Früchte waschen, verlesen und zerstampfen bzw. andätschen. Das Fruchtmus in eine entsprechend große Flasche geben und mit dem Rotwein-Essig übergießen. Die verschlossene Flasche 2 - 3 Wochen an einem kühlen, dunklen Platz stellen, dabei ab und an kurz durchschütteln.

Nach dieser Zeit den Essig durch eine Kaffeefilter abseihen. Den Essig mit dem Zucker in einen Topf geben, unter Rühren kurz aufkochen und heiß in kleine Flaschen abfüllen. Sofort verschließen.

Kommentare

  1. gute Idee mit dem Essig!
    Das Foto zeigt aber hagebutten, oder? Die Berberitzen sind eher kleiner und schmäler - zumindest die, die ich im Herbst in Tirol gepflückt habe (https://fliederbaum.blogspot.co.at/2017/10/alpenberberitze-trifft-rosenreis.html).
    Oder sind deine tatsächlich größer?
    lg

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    1. Hallo Friederike,
      doch, doch, das sind ganz sicher Berberitzen. Und zwar genau die, die ich auf dem Foto unten pflücke. Ich hab das Foto allerdings ziemlich großgezoomt, der Teller, auf dem sie liegen, ist nur eine Untertasse. Außerdem kann ich mir gut vorstellen, dass wir hier eine Kulturform in der Auffahrt haben (die war schon da, wir haben die nicht gepflanzt), mit etwas größeren Früchten als die wilden.
      Liebe Grüße Sylvia

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