Unscheinbar schön

Moose - so wichtig für die Natur, Schönheiten im Detail und doch so schwierig zu bestimmen. Und nicht nur das: Die meisten Leute – einschließlich mir  – wissen nicht wirklich viel über Moose. Es kommt im Wald an dunklen, feuchten Stellen vor. Aber auch an schattigen Plätzen auf Asphalt und Betonwegen breitet es sich schnell aus.

Moose durchlaufen einen sogenannten Generationswechsel. Wir kennen meist nur die ungeschlechtliche Generation. Wenn die Moose Sex haben wollen, müssen sie sich erst einmal in eine geschlechtliche Generation umwandeln. Denn nur diese Generation hat Geschlechtsorgane.

Und Moose sind stets zweihäusig. Das heißt, es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Für die Befruchtung ist dann auch noch Wasser notwendig, woraus sich auch die Vorliebe für feuchte Standorte ergibt. Ganz schön kompliziert, puh...!

Die Moose und Flechten auf den folgenden Fotos haben wir mit Hilfe eines kleinen Büchleins versucht zu bestimmen. Nach besten Wissen und Gewissen.

Tamarisken-Thujamoos
(Thuidium tamariscinum)

Das Tamarisken-Thujamoos hat seinen Namen auf Grund seiner unbestreitbaren Ähnlichkeit mit dem Lebensbaum, eben der Thuja, erhalten. Es ist ein typisches Moos der mitteleuropäischen Wälder.

Das hintere Moos ist wohl ein Widertonmoos (Polytrychum spec.)

Der deutsche Name dieses Mooses leitet sich von "Wider das Antun" ab, denn es wurde in der Magie gegen den bösen Zauber eingesetzt. Aber man hat dieses Moos früher auch ganz pragmatisch zu nutzen gewusst: als Matratzenfüllungen und zum Dichten von Ritzen in Holzhäusern. Auch im Bootsbau wurden Fugen mit diesen Moosen gedichtet, da die Blätter eine gute Quellfähigkeit aufweisen.

Was das vordere Moos ist – keine Ahnung, obwohl ich während des Studiums zumindestens die wichtigsten Arten  auswendig lernen musste.

Auch bei diesem Moos, das das Foto des Monats ziert, hab ich keine Ahnung. Aber es hat in echt genauso geleuchtet wie hier auf dem Foto. Da haben wir nichts nachbearbeitet. Wirklich wunderhübsch – egal, wie es heißt.

Vielleicht noch etwas sonderbarer als Moose sind Flechten. Die haben nähmlich gar keinen Sex, bzw. deren Vermehrung ist noch immer nicht wirklich erforscht. Und Pflanzen sind es im eigentlichen Sinne auch nicht – sie werden dem Reich der Pilze zugeordnet.

Eine Flechte ist stets eine Gemeinschaft aus einer, manchmal auch mehreren Pilzarten und Grünalgen und/oder Cyanobakterien. Letztere sind in der Beziehung für die Photosynthese – sprich für die Ernährung zuständig. Dafür bietet der Pilz den Bakterien ein Zuhause, gleichzeitig kontrolliert er aber auch die Entwicklung seiner Mitbewohner. Ein wenig trägt der Pilz aber manchmal doch zur Ernährung bei, indem er bei einigen Arten den Fels langsam zersetzt und die freigewordenen Mineralien nutzt.


Trompeten-Flechte
(Cladonia spec.)

Allein in Europa sind 2.000 Flechten-Arten bekannt. Kein Wunder, dass ich die nicht alle kenne. Obwohl  schon sehr skurile Typen dabei sind, wie zum Beispiel die Trompetenflechte oben.

Allen Flechte gemeinsam ist ihr langsames Wachstum. Manchmal sind nur wenige Millimeter im Jahr. Sie wachsen daher bevorzug an Stellen, wo Pflanzen sie nicht überwuchern können, z. B. auf Felsen oder aber auch auf der Rinde von Bäumen.
Im Gegenlicht ist nicht wirklich zu erkennen, um welche Baumflechte es sich hier handelt. Zumal diese beiden auch oft vergesellschaftet vorkommen:

Sparrige Evernie (Evernia divaricata)
und/oder
Gewöhnlicher Baumbart (Usnea filipendula)

Im verschiedenen Baumbart-Arten wurde das Antibiotikum Usninsäure entdeckt, die inzwischen synthetisch erzeugt wird. Im Hochland Südamerkas ist die antibiotische Wirkung einer gesteinsbewohnenden Usnea-Art schön länger bekannt und sie wird als Tee gegen Husten genutzt.

In Deutschland sind alle Bartflechten geschützt. Da sie den Baumen lediglich aufsitzen und  keine Verbindung zu der Pflanze haben, schädigen sie diese auch nicht. Ganz im Gegenteil, sie gelten als Zeiger für gute Luftqualität. Und das kann ja auch einem Baum nur zuträglich sein.

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