Fremde Lebensformen in der Speisekammer

Im Frühjahr vor zwei Jahren haben wir mühevoll zwei Buchenstämme mit Austernpilzbrut geimpft - könnt Ihr Euch erinnern? Der Liegeplatz für die Stämme war mit Bedacht gewählt. Vor dem Tritt unserer Haustür.
 Nein - das ist kein Austernseitling...

Eine Stelle auf der Nordseite unseres Häuschens, an der es nahezu immer feucht und schattig ist, genauer gesagt war. Denn Sturmtief Niklas legte die Bäume auf dem Nachbargrundstück um - und wir hatten, was wir uns jahrelang wünschten, aber nun eigentlich nicht mehr brauchen konnten: Sonne vor der Hautür! Zusammen mit der Hitzewelle 2015 besiegelte dann das Ende unserer zukünftigen Austernpilz-Kultur. Wir schafften es nicht, die Stämme ausreichend feucht zu halten, um der Pilzbrut ein Durchziehen der Stämme mit ihrem Myzel zu ermöglichen.
Inzwischen liegen die Stämme bei uns im Garten neben der Trockenmauer und dürfen dort gestalterisch und ökologisch wertvoll verrotten. Mit Pilzen sind sie inzwischen reichlich besiedelt - leider nicht mit essbaren. :-(
Immer noch bisschen frustriert stolperte ich Anfang dieses Jahres bei einem Gärtnerei-Bummel  über ein Fertigset zur Champignonzucht. Auch wenn der Herr Krautgärtner nicht soo begeistert war - Fertigset bleibt Fertigset - haben wir es mitgenommen. Bereits vor Krautgärtner-Zeiten hatte ich schon ein-, zweimal so eine Champignon-Fertigkultur gekauft, und wusste also aus Erfahrung, dass das ziemlich idiotensicher funktioniert. Und auch wenn es - ebenso aus Erfahrung - meist nicht die angekündigte Erntemenge bringt, ich wollte einfach ein Pilz-Erfolgserlebnis *mit-dem-Fuss-stampf*
Zuhause hat der Herr Krautgärtner es gleich nach Anleitung zusammengebaut und angegossen. Dann ging es noch um den richtigen Standort - am besten so um die 17° C, Licht brauchen die Schwammerl nicht. Perfekt für unsere Speisekammer. Nach so 10 Tagen sollten sich die ersten Pilzkörper zeigen. Das taten sie auch - aber ob das wirklich Champignons waren?  So richtig knubbelig-rund, wie wir sie kennen, schauen die nicht aus? Was wächst da???
Doch! Es waren Champignons, die irgendwie - im wahrsten Sinne des Wortes - aus der Form geraten waren. Mich haben sie an Verbänderungen erinnert, die ich auch schon bei Pflanzen gesehen hatte. Ob es das auch bei Pilzen gibt?
Wie auch immer - die nächsten haben wie ganz normale Champignons ausgeschaut. Und geschmeckt haben sie alle so wie sie sollten. Die erste Ernte haben wir zu einem Klassiker aus meiner Kindheit verarbeitet. Nein - nicht spektakulär. Aber lecker :-P

Champignon-Ragout

500 g Champignons 
Butter 
1-2 TL Mehl 
200 g Sahne 
Salz & Pfeffer 
Petersilie 
Champignons nur abputzen, in Scheiben schneiden; dann in Butter andünsten. Mehl über die Pilze stäuben und kurz mitrösten. Mit dem Becher Sahne ablöschen, salzen und pfeffern. 

Gut umrühren, denn das ist am Anfang erst ein ziemlicher Pampf. Da die Pilze aber meist sehr stark Wasser ziehen, wird das dann schon eine schöne, sämige Sauce. Ansonsten etwas Wasser zugeben. Petersilie hacken und unterrühren.Gut durchschmurgeln lassen.

Mit Pfannkuchen und Semmelknödel servieren.
Die Menge reicht für 2 bis 4 Portionen.

Kommentare

  1. Ah, lecker! Das mit der Pilzzucht hab ich schon ein paar Mal mit mäßigem Erfolg probiert. Dein Post macht aber definitiv Lust auf eine Neuauflage...

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    1. Wir hatten jetzt tatsächlich drei schöne Erntewellen - mehr als ich erwartet habe. :-)

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