Immer der Saône nach

Letztes Jahr hatten wir den Kindern eine Hausboot-Tour geschenkt. Und dieses Jahr ging es nun ans Einlösen. Da Bekannte die Tour schon mal vor einigen Jahren gemacht hatten, fiel die Wahl auf die Saône [gesprochen soːn], einem Fluss im Osten Frankreichs – also gar nicht so weit weg. Er entspringt in den Vogesen und fließt in Lyon in die Rôhne.
 
Leinen los und ab geht die Fahrt. Wir haben uns den nördlicheren Teil in Burgund ausgesucht, von Saint-Jean-de-Losne bis Scey-sur-Saône. Da ist weniger los – sprich hier gibt es so gut wie keine Berufsschiffahrt mehr. 
Zur Crew gehört auch der Krautgärtner-Sohnemann, der als erster Offizier fast die gesamte Strecke das Boot steuerte, und das waren doch gut 275 km. Dazu die Krautgärtner-Sohnemann-Familie, die als Leichtmatrosin und Schiffshund anheuerten.
 
Von Anfang an hatten wir tierische Begleiter, die uns neugierig beobachteten.
Die kleinen Städte wie hier Gray wirken sehr malerisch. Allerdings bemerkt man überall die Landflucht. Viele Häuser stehen leer und auf den Dörfern gibt es nur noch selten einen Metzger oder andere Lebensmittelgeschäfte. In einem Fremdenfüher wird sarkastisch vermutet, man begehe das 20-jährige Jubiläum eines Fassadenerneuerungsverbotes.
Der Kapitän hat alle Aufgaben verteilt. :-)
 
Die ersten Schleusen sorgten noch für etwas Unruhe, die aber sehr bald in Routine überging.
Wasser marsch!
 
Bergauf brodelt es schon ganz schön, wenn die Schleusenkammer geflutet wird. Die allermeisten der Schleusen sind mittlerweile vollautomatisch und werden über einen Schalter mit Gummischlauch-Verlängerung gesteuert, der über dem Fluss hängt.
 
Im Vergleich zu Deutschland gibt es noch schier unendliche Flussabschnitte, die nicht verbaut sind. Auenwälder, soweit das Auge reicht - auch wenn der Fluss schon seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts vollständig für die Schiffahrt reguliert und umgebaut wurde.
 
Das Wasser hat aber überall Badequalität. Und wir hatten traumhaftes Badewetter.
Die Frau Krautgärtnerin braucht etwas länger, um in das Wasser zu kommen. Da kommen doch die Fischlein und schauen sich den neuen Besucher neugierig an.
Man kann hier überall Halt machen, um zu schwimmen oder zu übernachten.
Eine Besonderheit beim Ausbau des Flusses sind die Tunnel, über die die Strecke deutlich abgekürzt wurde. Hier die Einfahrt zum Tunnel Seveux-Savoyeux. Die Bauzeit im 19. Jahrhundert hat bedingt durch die Handarbeit schon ziehmlich lange gedauert. So wurde der Tunnel de Saint-Albin von 1837 bis 1880 gebaut und somit fast rechtzeig zum Ende der unmotorisierten Flussschiffahrt fertig.
Heute sind die Tunnel eigentlich nur noch Attraktion für die Touristen. Auf der ganzen Fahrt ist uns im Oberlauf der Saône ein einziger Lastenkahn  begegnet.
Aber auch sonst herrscht auf dem Fluss wenig Verkehr. Hin und wieder mal ein Hausboot, dem dann freudig gewunken wird, oder auch mal ein Kanu oder Schwimmer.
Angeln ist das ganz große Hobby der Franzosen. Da konnte ich auch nicht widerstehen und habe eine Wochenkarte gelöst. Ausbeute fast Null. Einen kleinen Flussbarsch, den ich jedoch wieder reingesetzt habe. Aber auch bei allen Anglern, die am Flussufer saßen, haben wir nie jemanden gesehen, der einen nennenswerten Fisch an Land gezogen hätte. Nur am letzten Abend hat ein Angler im Hafenbecken einen Wels von ca. 40 cm gefischt.
Füttern verboten? Was in Deutschland fast überall verboten ist, wird hier noch etwas entspannter gesehen. Vielleicht liegt es ja auch an der typischen Brotsorte Baguette. So lecker es die Franzosen backen, am nächsten Tag taugt es meist nur noch zu Entenfutter. :-)
Drei Zimmer, Küche, Bad. So könnte man das Hausboot beschreiben. Die Frau Krautgärtnerin als Smutje hat die durchaus sehr gut eingerichtete Küche zu ihrem Reich erklärt. Eine Spülmaschine gab es nicht. So mussten die Leichtmatrosin und der Erste Offizier den Abwasch übernehmen. Oder habt Ihr schon mal einen Kapitän beim Abtrocknen gesehen? Ich auch nicht.
Ich musste mich ja um das Schiff kümmern und navigieren. (Kommentar der Frau Kräutgärtnerin: *hüstel-hust*) Aber verfahren kann man sich hier ganz bestimmt nicht. Deshalb lautet das Resümee des Käpt'n Krautgärtner mit Crew: Eine Hausboot-Tour im Oberlauf der Saône ist definitiv eine Empfehlung wert!

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