Akelei-Reigen

Akeleien sind schon ganz, ganz lange Gäste in unseren Gärten. Wohl seit dem späten Mittelalter sind sie dort heimisch und galten bereits um 1900 schon wieder als altmodisch. Und irgendwie sind ihre barocken Rüschen-Röckchen-Blüten auch altmodisch. Aber genau dafür mag ich sie.
Mindestens genauso sehr mag ich sie wegen ihrer Unkompliziertheit. Akeleien sind zwar winterharte Stauden, aber nicht besonders langlebig. Dafür säen sie sich zuverlässig im Garten aus. An Stellen, an denen ich sie nicht brauchen kann, jäte ich sie einfach frühzeitig weg - die restlichen dürfen stehen bleiben und tanzen so jedes Jahr an anderen Stellen ihr Blüten-Balett. Und das sogar völlig unbeeindruckt von der derzeitigen Regenzeit.
Die kurzspornigen Akelei-Formen, die bei uns im Garten so rumstromern, sind wohl alles Variationen der Gemeinen Akelei (Aquilegia vulgaris). Die Vielfalt ist bezaubernd - da finden sich dick gerüschte Tütüs in Blau mit und ohne Weiß, fast durchscheinende schlichte Ballkleidchen in Zartrosa und nahezu alles dazwischen.
Früher wurde die Akelei auch als Heilkraut eingesetzt. Inzwischen hat das medizinische Interesse nachgelassen. Zum einen gilt das in ihr enthaltene Blausäure-Glykosid als krebsverdächtig, zum anderen stehen selbst in der Pflanzenheilkunde für mögliche Einsatzbereiche überall besser wirkende Heilpflanzen zur Verfügung.
Die charakteristischen Blütensporne sind eine Anpassung an die Bestäuber-Insekten - nämlich langrüsselige Hummel-Arten. Dieser lange Rüssel ist notwendig, um an das Nektar-Vorkommen am Grunde des Sporns zu gelangen. Dabei müssen sich die Hummeln an Staubfäden und Narbe vorbeidrücken und bestäuben so die Blüte.

Das Foto des Monats
Aber nicht nur Hummeln mit langem Rüssel finden Akeleien attraktiv. Die Hummeln mit kurzen Rüsseln tricksen die Akelei aus. Sie beißen ein Loch in den Sporn und gelangen so an die begehrte Süßigkeit. Auf dem Foto oben kann man die Löcher sehen, wenn man genau hinschaut. Ist das Loch erstmal da, bedienen sich auch Bienen gerne an den Blüten ohne im Gegenzug für die Bestäubung zu sorgen. Tja - das Leben ist auch für Akeleien kein Ponyhof ;-)

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