Das Kraut der Druiden

Wer Asterix kennt, kennt auch die Mistel. Die unverzichtbare Zutat für den Zaubertrank des Druiden Miraculix, der sie höchstpersönlich mit seiner goldenen Sichel von den Bäumen schnitt. Das haben sich die Autoren von Asterix jetzt nicht einfach so ausgedacht.
Für die Druiden - die gallischen Hohepriester - war die Mistel  die heiligste Pflanze überhaupt. Den Kelten galt sie als besonders heilig, wenn sie auf einer Eiche wuchs; denn diese sind besonders selten. Die Kelten glaubten auch, dass die Götter die Samen in die Bäume streuten, sie also ein Geschenk der Götter waren. Im gallischen Bereich sah man in einer Mistel das Zeichen, dass die Götter in diesem Baum anwesend waren. Die Druiden schnitten sie deshalb nur im Rahmen eines Gottesdienstes, rituell mit einer goldenen Sichel und sie durfte nicht zu Boden fallen, sondern wurde mit einem weißen Tuch aufgefangen.
Den Galliern und Kelten galt sie nicht nur als Wunderpflanze gegen Krankheiten, sondern wurde als Zeichen des immerwährenden Lebens verehrt, was sicher damit zusammenhing, dass sie auch im Winter grüne Blätter hat.

Für unsere Mistelernte hatten wir leider weder eine goldene Sichel noch ein weißes Tuch dabei; und da ich mit fotografieren beschäftigt war, konnte ich sie auch nicht auffangen. Aber wir wollten ja aus unserem Mistelzweig weder Heilmittel gewinnen noch Zaubertränke brauen - ihr werden nämlich auch psychoaktive Kräfte nachgesagt. Außerdem ist "unsere" ja auch "nur" auf einer Pappel gewachsen.

Das Foto des Monats
Wir nutzen die Mistel gerne als Weihnachts-Deko und zum Räuchern. Und weil wir so gerne alles ausprobieren und ich  Pflanzen mit (mythologischer) Geschichte einfach mag, haben wir versucht, auf einem unserer Apfelbäume eine Mistel anzusiedeln. Ja - ich weiß, Misteln sind Halbparasiten, die einen Baum schwächen und ihn im schlimmsten Fall auch zum Absterben bringen können. Aber der Lebenszenit unserer Apfelbäume ist schon deutlich überschritten, insofern...
Wir haben also einige der weißen Früchte - nicht umsonst heißt die von uns geerntete Art Weißbeerige Mistel (Viscum album) - an geeignten Stellen an unseren Apfelbaum geklebt. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Die Samen der Mistelbeeren sind von einer klebrigen Pulpa umgeben, die eine Ausbreitung durch Vögel möglich macht. Das funktioniert so: Spechte, Eichelhäher u.a. fressen die Früchte, der Samen wird unverdaut ausgeschieden und bleibt dank den Resten des klebrigen Gewebes an Baumästen hängen. Es werfen also nicht die Götter die Samen in die Bäume ;-)
Einer unserer Samen hat auch tatsächlich gekeimt. Auf dem Foto unten kann man gut die kleine Haftscheibe sehen, die zunächst am Ende des kleinen Stängel wächst. Daraus senkt sich kurze Zeit nach der Keimung ein Haustorium - ein Saugfortsatz - durch die Rinde des Wirtsastes hindurch und versucht, sich in den Saftbahnen zwischen Rinde und Holz in Form grüner "Rindensaugstränge" auszubreiten.
Weiter als bis zu diesem Stadium hat unsere Mistel jedoch nicht überlebt. Denn offensichtlich ist unser Apfelbaum doch vitaler als gedacht. Er hat das Eindringen der Mistel abwehren können. Aber einmal ist keinmal, wir werden es wieder versuchen.

Kommentare

  1. sehr interessant, tolle Fotos,
    und witzig - wir haben auch schon daran gedacht (weiter kamen wir noch nicht), in einem alten verkrüppelten Apfelbaum im Garten Misteln anzusiedeln.
    lg

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    1. Hallo Friederike,
      vielen Dank :-) Und ich finde es sehr beruhigend, dass nicht nur wir solche Ideen haben *grins*
      Lieben Gruß Sylvia

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  2. Huhu Sylvia, schade, dass sie es nicht überlebt hat. Aber immerhin hat sie gekeimt. Grins... auch Raimond und ich hatten schon die Idee - aber wir haben gar keinen Apfelbaum:-).

    LG an euch zwei!!
    Claudia

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  3. Hi Claudia,
    ich seh schon - wir sind viele. :-) Das ist gut!
    Ganz liebe Grüße
    Sylvia

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