Die Glückssocke vom Nikolaus

Diese Nikolaus-Geschichte ist wahre Geschichte. Es ist allerdings schon ein paar Jährchen her. Denn es geschah im Dezember 2003 - und da war mein Hündchen noch ein Jungspund. Aber lassen wir sie doch selbst zu Wort kommen.
Irgendwie muss ich mir das mit diesen Nikolaussocken noch mal erklären lassen. Ich glaub, ich hab da irgendwas falsch verstanden. Denn soll man da drin nicht Zuwendungen vom Nikolaus persönlich erhalten? Irgendwie hab ich mir das anders vorgestellt – obwohl Zuwendung haben sie mir schon gebracht – irgendwie…

Weil, das war so… Es war am Nikolaus-Abend. Wir drei Bobtails – Amanda, Lynn und ich – haben den Abend ohne Frauli verbracht, sie war auf einer Weihnachtsfeier. Es war ziemlich langweilig. Ich hoffte ja, dass der Nikolaus uns etwas vor die Tür stellt, bevorzugt Fressbares. Ich hab die Ohren ganz fest gespitzt, ob ich ihn nicht mit seinem Rentierschlitten vorbeifliegen hör. Aber nichts – alles völlig still! *grumpf* Hatte uns der Nikolaus tatsächlich vergessen? Doch dann fiel es mir ein: Wir hatten gar keine Socken an die Tür gehängt!!!

Deshalb hab ich mir dann, als das Frauli endlich heimkam und sich fürs Bett fertig machte, schnell einen ihrer Socken geschnappt. Noch war die Nacht nicht um, wenn wir ihn jetzt noch hinhängen – vielleicht… Leider war der Socken, den ich erwischt hab, nicht sonderlich groß, so eine kleine, blaue Sommersocke. Aber ich hab mir gedacht, besser als gar keine… und ich hab sie auch gut durchgekaut, damit er sie schon von Weitem riecht, der Nikolaus und er uns auch findet. Mit lustigen Bocksprüngen, den Socken in die Luft werfend und wieder auffangend, hab ich versucht, mein Frauli dazu zu bewegen, noch mal aufzustehen, denn sie hat es sich schon in ihrem Bett gemütlich gemacht. Häng das Ding jetzt an unsere Haustür! Sofort! Und da ist es passiert… ich hab die Socke verschluckt. *urgs* Ich weiß auch nicht so genau wie, irgendwie war sie auf einmal ziemlich weit hinten im Hals – und dann *schwups* war sie weg. Ich muss ziemlich ungläubig geschaut haben und das Frauli sagte zu mir: „Hast Du die jetzt etwa runtergeschluckt?“ Äh – ja? Ich wedelte verlegen.

Dann hat sie mir ihre Finger in den Hals gesteckt, aber von der Socke war nichts mehr zu fühlen. Das Frauli schaute besorgt auf die Uhr – es war schon Mitternacht vorbei – und murmelte etwas von: „Dann werden wir wohl morgen um halb acht die ersten in der Tierarztpraxis nebenan sein…“ Hey super! Tierarzt find ich klasse! Nur das mit dem Socken an die Tür hängen konnte ich ja nun vergessen… so ein Mist!

Am nächsten Morgen sind das Frauli und ich dann wirklich die Ersten bei unserer Tierärztin gewesen. Und ich schwör – es huschte ihr ein Grinsen über die Lippen, als sie hörte, dass ich gestern Nacht einen Socken verschluckt hatte. Ich wedelte freundlich zurück. Aber dann wurde sie ernst.

Wie lange es schon her ist? Schon über sieben Stunden… nein, dann könne sie den Socken nicht mehr endoskopisch über den Magen rausholen. Wie Schlauch durch Maul in Magen??? Ohne mich!!! Der ist aller Wahrscheinlichkeit schon in den Darm gewandert. Ächz, Glück gehabt!

Wie groß denn der Socken sei? Frauli hatte mitgedacht und das Pendant mitgebracht. Hmmm… nicht so sonderlich groß, könnte einfach hinten wieder rauskommen, wenn wir Glück haben. Aber der Nährwert ist wohl nicht sonderlich hoch, hä? Ihr wisst schon, dass ich noch kein Frühstück hatte … Zur Unterstützung soll sie mir Sauerkraut zu fressen geben, dass würde den Socken schön umwickeln und seine Gleitfähigkeit erhöhen. Sauer-was??? Egal - HUNGER!

Und ich solle den ganzen Tag unter Beobachtung bleiben, denn wenn ich anfange zu spucken, müsse man operieren. Was soll denn das sein – operieren? Klingt spannend... Frauli macht ein besorgtes Gesicht – musste sie doch den ganzen Tag arbeiten, nur der Mittagsgassi-Dienst schaut vorbei. Och, ist doch kein Problem – ich bleib einfach hier. Ich find die alle nett hier! Ich wedelte überschwänglich bis aufdringlich – und sie fanden die Idee nicht schlecht.

Ich hab mir zuhause also noch schnell dieses Sauerdings reingezogen, und hab mich dann in der Tierarztpraxis einquartiert. Und Amanda und Lynn mussten alleine daheim bleiben. *ätsch* Ich hatte dort eine gemütlich große Box und ständig ist jemand zum Streicheln gekommen. Ich wedelte zufrieden zurück. Das mit dem Sockenverschlucken lohnt sich ja richtig…

Am Abend hat mich dann das Frauli mit Amanda und Lynn abgeholt. Bis jetzt hätte ich noch kein Häufchen gemacht. Ja, was soll man denn von diesem Sauerzeugs auch groß produzieren! Aber obwohl mir das Frauli während unseres Abendspaziergangs ständig mega-indiskret mit einer Taschenlampe den Po beleuchtete, hab ich sie dann mit einem eben solchen beglückt. Ein hübsches sauerkrautiges Häufchen ohne Socken.

Nachdem auch beim Morgenspaziergang am nächsten Tag meine Häufchen keine blauen Bestandteile vorwiesen, hatte das Frauli zwei Überraschungen für mich. Zu einem gab es Sauerkraut mit Dosenfutter vermischt – eine enorme geschmackliche Verbesserung! Zum anderen durfte ich mit in ihre Arbeit fahren, denn die TA-Praxis hatte diesen Nachmittag geschlossen. Und Amanda und Lynn mussten allein zuhause bleiben. *ätsch*

Mein Frauli hat in ihrer Arbeit viele nette Kollegen und Kolleginnen, die mich alle besuchen kamen, mich streichelten und bestaunten. Ich residierte unter dem Schreibtisch und wedelte würdevoll zurück. Langsam fand ich den Socken in meinem Bauch echt cool! Es störte mich deshalb auch nicht groß, dass die Socke auch heute nicht freiwillig erschien. Nur dieser gegärte Kohlkram ging mir allmählich auf den Senkel, ab und an ist ja Gemüse nicht schlecht – aber so als Dauerzustand?

Am nächsten Morgen beim Tierarzt gab es wieder besorgte Gesichter. Ich wedelte beruhigend, denn es ging mir doch gut. Allmählich verdichtete sich die Vermutung, dass sich der Socken irgendwo festgehängt hatte und nicht von alleine wieder rauskam. Gut so! Ich will den behalten. Ich darf überall mit hin und alle sind nett zu mir.

Ich solle ein Kontrastmittel fressen. Fressen?! Was anderes als diese sauren Gemüseschnipsel? Her damit! Dann würden sie mich alle Stunde röntgen, um zu sehen, wo der Socken hängt. Strahlen durch meinen Körper? Das tut doch nicht etwa weh??? Und dann werden sie wohl operieren müssen, weil in meinem Bauch könne der Socken ja nicht bleiben. Aber warum denn nicht? Mich stört der nicht...

Ich hab mir zuhause also schnell dieses Kontra-Dingsbums reingezogen, und hab dann wieder meine gemütliche Box in der Tierarztpraxis bezogen. Und Amanda und Lynn mussten alleine daheim bleiben. *ätsch* Diesmal bekam ich nicht nur Streichel-Besuch – sie haben sich sogar ein Spiel für mich ausgedacht. Ich musste dabei ganz still auf einem Tisch liegen und mich von einem Riesenfotoapparat ablichten lassen. Ich wedelte lobheischend.

Am Mittag haben sie eine verdächtige Stelle im Magen gefunden. Da haben wir das Still-Liege-Spiel abgebrochen und sie haben mir eine Spritze gegeben *aua*. Damit es mir bald besser geht. Von wegen! Bis zur Spritze ging es mir voll gut! Aber dann... boah, wurde mir schlecht. *würg* Ich war bestimmt ganz grün unter meinem weiß-grauen Fell...

Fast hätte ich in meine gemütliche Box kotzen müssen. *peinlich* Aber zum Glück sind sie mit mir rechtzeitig rausgegangen. Ich hab dann einen Waldweg vollgekotzt. *immer-noch-peinlich-genug* Aber das mit der Übelkeit wurde wenigstens besser. *rülps* Und dann guckte meine Begleitung auf einmal ganz erfreut: „Da ist er ja!“ Wer? Ach so... der Socken... Ich wedelte erschöpft. Die Socke war noch völlig intakt, nur gerochen hat sie nicht mehr so besonders gut.

Am Abend hat mich das Frauli dann wieder abgeholt. Auch sie sah erleichtert aus. Ich wedelte sie erholt und erfreut an. Aber den Socken wollte sie nicht wieder haben. Unsere Tierärztin meinte, dass es sehr ungewöhnlich sei, dass ein verschluckter Gegenstand nach so langer Zeit noch im Magen ist. Hey! Hat jemals irgendwer behauptet, ich wäre gewöhnlich?!!
Mein Frauli war aber bloß froh, dass sie nicht haben schneiden müssen Hä?!? Wen wollten die zerschneiden? MICH? Gut, dass mir so schlecht geworden ist!!! Obwohl wir das ja eigentlich sofort so hätten haben können. NEIN!!! Dann wär mir doch der ganze Spaß hier entgangen!

So war das also mit der Glückssocke vom Nikolaus. Aber trotzdem – ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich so gehört... Vielleicht häng ich die Socken nächstes Jahr doch lieber an die Haustür? Kann mich mal bitte einer aufklären...?

Aber wie dem auch sei... Ich wünsche Euch schöne Feiertage und prall gefüllte Nikolaussocken.
Ein kräftiges „How! How! How!“

Eure NoAn
No Angel aus der Alten Noris

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