Mastjahr

Dieses Jahr haben die Eichen ein Mastjahr – Unmengen an Eicheln fallen von den Bäumen. Und da ich ja alles brauchen kann bzw. ausprobiere, habe ich halt Eicheln gesammelt.
In früheren Zeiten wurden die Eicheln vielfältig verwendet – als Schweinefutter, Kaffeersatz und um knappes Mehl zu ersetzen bzw. zu strecken. Da Eicheln neben viel Stärke auch 6 bis 9 % Gerbsäure enthalten, schmecken sie unbehandelt bitter und die Gerbsäure lässt die Zunge schrumpfen. Kein Genussmittel also. Die Bitterstoffe und Gerbsäuren kann man allerdings relativ einfach mit Wasser beseitigen. Die Eicheln werden dazu eine Woche gebadet, wobei das Wasser mindestens täglich gewechselt werden sollte. Die wurmigen und sonstwie schlechten Eicheln schwimmen oben und lassen sich so schnell aussondern.
Manche schälen die Eicheln erst und wässern sie dann. Meine Versuche haben aber eindeutig gezeigt, dass es anders herum viel leichter geht: Erst die Eicheln wässern, dann abgießen und ins Backrohr, bis sie anfangen braun zu werden und aufzureißen.
Danach lassen sich die Eicheln viel leichter schälen und da der Gerbsäuregehalt jetzt viel geringer ist, werden die Finger nicht so schrumpelig und braun :-)
Aber trotzdem ist das eine Beschäftigung, die man gut nebenbei beim Fernsehen erledigen kann. Um daraus Eichelmehl zu gewinnen, habe ich sie danach durch den Fleischwolf gejagt, und zwar durch die 3mm-Lochscheibe. Dieses fertige Mehl lässt sich unserer Erfahrung nach – auch wenn man es sorgfältig trocknet – schlecht aufbewahren. Deshalb sind wir dazu übergegangen, die geschälten Eicheln einzufrieren und bei Bedarf die benötigte Menge frisch zu wolfen.
Dieses Mal ist ein dunkles, herzhaftes, saftiges Brot das Ergebnis für die Mühen. Dazu habe ich unserer Standard-Sauerteigbrot-Rezept etwas abgewandelt. Und zwar hab ich kurzer Hand das Roggenmehl 1150 komplett durch frisches Eichelmehl ersetzt. So lecker :-P

Ihr seid auf den Geschmack gekommen? Hier findet ihr mehr Ideen für Eichelmehl: Unkrautgourmet

Kommentare

  1. Hallo zusammen

    Ich habe diese Woche Eicheln gesammelt und zu Mehl verarbeitet. Danke für das Rezept :-)

    Nun habe ich noch eine Ladung Eicheln gesammelt und dabei ist mir aufgefallen, dass die meisten dunkelbraune/schwarze Stellen aufweisen die auch ein wenig in die Tiefe der Frucht gehen. Bin wohl ein wenig spät dran mit sammeln, aber es sind keine Würmer und sie schwimmen auch nicht oben auf. Kennt Ihr das? Sind die ungeniessbar?

    Liebe Grüsse aus der Schweiz.
    MANUEL

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    1. Hallo Manuel. Bei uns war das in diesem Jahr auch so. Wir hatten aber auch einen bescheidenen Sommer. Ich bin mir sicher, dass es sich um beschädigte oder geplatzte Eichel handelt. Es ist ein Pilz, der eben bei feuchtkühler Witterung die Eicheln befällt. Und ja – je länger die Eicheln im feuchten Laub liegen, desto höher die Befallsrate. Ist aber weiter nicht schlimm. Ich habe die größeren Stellen abgeschnitten. Kleinere Stellen habe ich ignoriert. Liebe Grüße in die Schweiz.

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