Malus domestica

Wieso wird der Apfel eigentlich botanisch mit dem lateinischen Wort für schlecht = malus bezeichnet? Das Einzige, was ich an unserem Roten Boskoop schlecht finde, ist die Tatsache, dass er in den vergangenen Jahren fast keine Früchte zur Reife gebracht hat. Ein Mangel, den er in diesem Jahr versucht hat, auf einmal auszugleichen. Jedenfalls hatten wir Unmengen an Äpfeln in diesem Herbst. Da der Sommer in Bayern in diesem Jahr sehr heiß und trocken war, sind die Äpfel nicht übermäßig groß. Aber geschmacklich einwandfrei.
Zeitweise hatte ich die Befürchtung, der Baum würde unter seiner Last zusammenbrechen. Aber nein. Zuerst hat er sich vom unnötigen Ballst befreit. Schon Ende August und im September fielen die faulen und wurmigen Äpfel herunter. Die besseren Äpfel gingen an die Pferde der reitenden Kolleginnen - schätzungsweise 15 Wasser-Eimer voll. Die ganz vergammelten habe ich mit der Ape zum Wertstoffhof in den Container mit Gartenabfällen kutschiert. So viele Äpfel wollte ich nun auch nicht auf unserem Komposthaufen haben.

Am ersten Oktoberwochenende habe ich dann geerntet. Zum Schluss gingen die Behältnisse aus. Erstaunlicherweise gibt es für das gute Obst weniger Abnehmer als für das Fallobst. So wurde ein Großteil entsaftet.
Das hier ist die erste Häfte an geernteten Äpfeln.

Die ersten Versuche mit einer Saftpresse sind vor einigen Jahren kläglich gescheitert. Die Saftausbeute war sehr überschaubar. Da habe ich mich an meine Jugend erinnert, wo wir des Öfteren auch die Mostereien im Alten Land und Kehdingen besucht haben. Dort wird das Obst gewaschen und gehäckselt, bevor es gepresst wird. Es musste also ein Häcksler her! Als wir einen im Gartenmarkt kaufen wollten, haben wir Schwiegereltern auf dem Parkplatz desselbigen getroffen. Und die hatten einen Gartenhäcksler über - wie praktisch ;-) Die Einkaufstour wurde kurzerhand abgebrochen und der Häcksler begutachtet - und mitgenommen.
 
Vor dem ersten Einsatz habe ich ihn erstmal auseinander gebaut und gründlich gereinigt. Und nun klappt das mit dem Saftmachen wunderbar. In kurzer Zeit frisst das Gerät Unmengen an Äpfeln und spuckt sie fein zerkleinert wieder aus. Diesen Pampf kann man sehr viel leichter auspressen und die Ausbeute hat sich vervielfacht. Ruckzuck war das Fass mit 30 Litern bis zum Rand gefüllt. Der Blick auf die Uhr hat das Ruckzuckgefühl dann relativiert. Mit Pflücken, Vorbereitung zum Pressen, dem Pressen selbst, dem Abfüllen des Saftes und dem anschließenden Putzen und Aufräumen war der Tag rum.
Den gesamten Saft haben wir dann in zwei Partien pasteurisiert - unser Einkochtopf hat da wieder mal gute Dienste geleistet. Der Saft wurde 15 Min. auf einer Temperatur von 80 °C gehalten und dann in vorbereitete, angewärmte Flaschen gefüllt. Wir haben so viele Flaschen befüllt, wie wir hatten. Der Rest ging in meinen bewährten, großen Eimer mit Gärspund und wurde mit Weinhefe geimpft, damit Apfelwein daraus wird.

Auch wenn das viel Aufwand war, der dunkelgoldene Saft mit seinem ausgeprägtem Boskoop-Geschmack war die Mühe allemal wert.

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