Das Blut des Hl. Johannes

...hat man an seinen Fingern, wenn man die Knospen des Echten Johannniskrautes zerreibt, so erzählt es der Volksmund. Die Wissenschaft weiß, dass es der Inhaltsstoff Hypericin ist, der beim Zerdrücken die Finger rötlich färbt. Hypericin ist der Hauptwirkstoff der Arzneipflanze des Jahres 2015 - dem Echten Johanniskraut (Hypericum perforatum). Perforatum heißt durchlöchert; und wenn man ein Laubblatt des Johanniskrautes gegen das Licht hält, weiß man, warum es so heißt. Das Blatt erscheint durch seine vielen durchsichtigen Öldrüsen wie mit einer Stecknadel malträtiert. Der Volksmund sagt, der Teufel wär das gewesen.

Johanniskraut ist auch eine gute Bienenweide.

Die Germanen und Kelten verehrten das Johanniskraut als Sonnwend-Pflanze, als Lichtbringer und Symbol für die Sonne. Denn es öffnet seine gelben Blüten meist um die Sommer-Sonnwende herum. Mit der Christianisierung ordnete man die Pflanze Johannes dem Täufer zu, dessen Namenstag am 24. Juni kurz nach der Sonnwende liegt. Das Echte Johanniskraut ist eine ausdauernde Staude und wächst an sonnigen Standorten auf eher mageren und trocken bis mäßig feuchten Böden.

Die Heilwirkung des Johanniskrautes ist bereits seit dem Altertum bekannt. Auch heute noch wird es in der Medizin bei depressiven Verstimmungen eingesetzt. Ein Aufsatzschnaps kann bei Einschlaf-Störungen und innerer Unruhe helfen. Als Tee findet es Einsatz bei Menstruationsbeschwerden und pubertären Verstimmungen.
 
Für die äußerliche Anwendung kommt das sogenannte Rotöl zum Einsatz. Es findet bei Hexenschuss, Ischias, Rheuma oder auch bei Neuralgien Verwendung. Auch einen Sonnenbrand oder leichtere Verbrennungen (1. Grades) kann es lindern. Ebenso wird es zur Behandlung von Schnittwunden und Narben eingesetzt. Rotöl ist ganz einfach selbst herzustellen:

Rotöl - Johannisöl


Johanniskraut-Blüten (und auch Blätter) in ein Glas stopfen und mit Sonnenblumen- oder Olivenöl übergießen. 2 Wochen bis 2 Monate in der Sonne stehen lassen und immer wieder schütteln - die Dauer hängt von der Sonnenintensität an. Und die ist bei Sommern in unseren Breiten ja nicht immer ganz zuverlässig. Das Öl ist fertig, wenn es sich hell und sattrot gefärbt hat. Danach die Pflanzenteile entfernen und durch Teefilter abseihen. Eine gute Anleitung, wie man das am besten macht, um wirklich gutes, reines Öl zu gewinnen, findet ihr hier.
 
Die Blüten des Johanniskrautes oder die ganze Pflanze kann auch zum Verräuchern verwendet werden. Es gilt als dämonenabwehrend, was grundsätzlich ja mal nie verkehrt ist. Die Kelten haben es in ihren Sonnwendfeuern verbrannt und im Mittelalter galt es als die Waffe gegen bösen Zauber überhaupt. Der Duft des Rauches wird als süß und sonnig beschrieben. Besonders interessant finde ich die "entspannende" Wirkung, die ihm beim Verräuchern zugeschrieben wird - sei es die gespannte Luft vor einem Gewitter oder sonstige Spannungen, die in der Luft liegen - von elektromagnetisch bis emotional nach einem Streit. Ein Versuch ist das allemal wert ;-)
 
Wichtig zu wissen!
Bevor Ihr nun los legt, bitte folgendes beachten:

1) Grundsätzlich nur Pflanzen sammeln, die Ihr sicher kennt.
2) Beim Einsatz von Johanniskraut beachten, dass das Hypericin die Lichtempfindlichkeit erhöht und zu erhöhter Sonnenbrandneigung führt. Bei nicht pigmentierten - also weißen - Weidetieren wie Pferden, Schafen, Ziegen kann die Hypericin-Aufnahme - z.B. durch Abweiden - nach der Bestrahlung durch Sonnenlicht sogar zu Hämolyseerscheinungen führen.
3) Weiterhin sollte Frauen während der Schwangerschaft und Stillzeit auf Johanniskraut-Präperate verzichten, denn Johanniskraut wurde in der Volksmedizin auch als Abtreibungsmittel genutzt.

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