Phönix aus der Asche

Die Sage des Phönix wird durch viele Jahrhunderte in vielen Kulturen erzählt. Es ist die Geschichte eines mysthischen Vogels, geboren aus den reinigenden Flammen des Feuers, Träger der Weisheit und des Urvertrauens. Sein Gefieder glänzt in der Sonne, würdevoll und flammengleich in Feuerrot, Goldorange und Stahlblau.
Wenn die Zeit gekommen ist, fliegt er in die Wüste und baut sich ein Nest auf der höchsten aller Palmen. Eine ganze Nacht benötigt er, dieses Nest auszuschmücken mit duftenden Harzen und schimmernden Fasern. Mit der Morgendämmerung beginnt er seinen Abschiedgesang. Hingebungsvoll und betörend zieht er die Sonne in seinen Bann, bis ihre Strahlen das Nest entzünden und der Feuervogel inmitten den Flammen, umwogt von Myrrhe-Rauch, sein Leben - dieses Leben - lässt.

Doch jedem Ende wohnt ein neuer Anfang inne. Und so beginnt sich die Asche nach drei Tagen merkwürdig zu regen. Der Asche entsteigt - aus den Flammen wiedergeboren - der Phönix. Strahlend und jung in neuer, alter Schönheit und Weisheit macht er sich auf den Weg zurück in seine Heimat.
Leben nicht auch wir unser Leben in Zyklen, kleiner und weniger prächtig, vielleicht auch nicht ganz so weise? ;-) Bei mir ist es ein Rhythmus von sieben bis neun Jahren. Dann verspüre ich, dass Veränderungen anstehen, ich mich bereits verändert habe, mein derzeitiges Leben nicht mehr zu mir passt.

Zu eng, zu lang, das Muster gefällt nicht mehr - bewusster Abschied von einer Lebensphase, die durchaus wunderbar gewesen sein kann. Ich lasse Menschen gehen, oder muss sie gehen lassen, verlasse das Gewohnte, lasse Dinge sein, wie sie sind. Und mache mich auf den Weg mit der Gewissheit, dass die Zeit gekommen ist. Der Rest wird passieren. Meine Lebenswege entstanden schon immer beim Gehen. Die Zielhäfen, in denen ich dann ankam, waren selten direkt angesteuert, doch stets die richtigen.

Und was hat das Ganze jetzt mit dem Graureiher (Ardea cinerea) zu tun?

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Nun - bereits in der ägyptischen Mythologie gibt es Benu, der meist in Form eines Reihers dargestellt wird. Er erscheint im Abstand von mehreren hundert Jahren, verbrennt bei Sonnenaufgang in der Glut der Morgenröte und steht aus seiner Asche verjüngt wieder auf. Im antiken Griechenland wurde Benu als Phönix überliefert.

Im realen Leben der alten Ägypter tauchten die Fischreiher - allerdings wohl Purpurreiher (Ardea purpurea) - regelmässig in großer Anzahl auf, wenn die jährliche Nilüberschwemmung einsetzte; und diese wiederum begründete die Fruchbarkeit der Böden. So galt der Vogel mit seiner zyklischen Wiederkehr bald als Lebensspender und Erneuerer. Zum Sonnenvogel wurde er, weil sich die Fischreiher mit dem Aufgehen der Sonne von ihren Schlafplätzen erhoben und in die Morgenröte zu ihren Futterplätzen entschwanden, um am nächsten Morgen erneut mit Sonnenaufgang aufzusteigen.

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