Halbseidene

Nachdem ich hier in die grundsätzliche Vielfalt der - nicht nur bayerischen - Knödel eingeführt hab, geht's jetzt ins Detail - bei den Kartoffelknödeln; oder Kartoffelnknödeln, worauf Karl Valentin bestünde, würden ja so Knödel aus nur einer Kartoffel bisschen klein ausfallen. ;-)

Kartoffelknödel sind meine Lieblingsknödel - ohne wenn und aber. Naja... doch mit aber, denn obwohl ich mit der leckeren Küche meiner Mama aufgewachsen bin, in der fast alles frisch gekocht wurde und wird, gab es bei Kartoffelbrei, Reiberdatschi und Kartoffelknödel Fertigprodukte; warum auch immer. Und dieser Einheits-Geschmack sitzt tief. Also durchaus eine Herausforderung für mich, die Fertigprodukte an allen Fronten meidet.
Für Kartoffelbrei und Reiberdatschi resp. Kartoffelpuffer ist inzwischen der Herr Krautgärtner zuständig. Die macht er perfekt! Da werd ich mich nicht einmischen ;-) Bei den Kartoffelknödeln ist das komplexer. Denn das Nordlicht an sich ist jetzt ja nicht so der Knödelexperte. Und dann gibt es da Rohe Klöß, Halb-und-Halb, Seidene, Halbseidene und was weiß ich...

Nun schmecken mir Rohe Knödel am besten, aber wenn ich die Rezepte so durchles... hoi, das klingt so alles super-kompliziert und aufwändig... Die mit den gekochten Karoffeln schienen mir da einfacher. Deshalb hab ich mit dieser Variante angefangen - und mich durch verschiedene Rezepte gekocht. Dabei hat sich herauskristallisiert, dass es für mich geschmacklich auf ganze Eier ankommt. Die machen die Knödel fluffig, so wie ich sie mag. Hier ist nun meine Variante für

Halbseidene Kartoffelknödel

1 kg mehlige Kartoffeln
70 - 100 g Kartoffelmehl
- zur Not geht auch Weizenmehl und 1 EL Stärke -
2 Eier
40 g Butter
- nach Geschmack -
Salz
Muskat

Weißbrot
Butter

Die Kartoffeln in der Schale kochen, schälen und durch die Kartoffelpresse drücken. Das geht mit heißen Kartoffeln am einfachsten. Für den Geschmack der Knödel ist es aber unrelevant.
 
Während die Kartoffeln kochen, aus dem Weißbrot und Butter Croutons herstellen und abkühlen lassen. Die kommen später in die Knödel.
Über die durchgepressten Knödel das Kartoffelmehl stäuben. Wieviel man davon braucht, hängt von dem Stärkegehalt der Kartoffeln ab. Deshalb erstmal mit den 70 g beginnen und ggf. aufstocken. Eier darüber schlagen, die Butter schmelzen und darüber gießen, kräftig salzen und Muskat darüber reiben. Dann alles zu einem geschmeidigen Teig verkneten.
Den Teig in acht Stücke teilen, jedes Stück in der Hand etwas flach drücken, einige Croutons hineingeben und den Teig darüber zudrücken. Mit nassen Händen gleichmässig runde Knödel formen.
Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen, Temperatur runterdrehen. Wenn das Wasser sich nicht mehr bewegt, die Knödel einlegen. Die Knödel dürfen wirklich nur im heißen Wasser gar ziehen, sonst lösen sie sich auf! Nach 20 Min. sind sie an die Oberfläche gestiegen und fertig.
Das Rezept gibt 8 Knödel für 4 hungrige Esser.
Klassischer Weise gibt es zu Kartoffelknödel Schweinsbraten, oder umgekehrt. ;-)

Manchmal hat man allerdings noch einen Bratenrest, aber keine Sauce mehr dazu. Da kann schnell Abhilfe geschaffen werden.

Braten-Sauce für den Notfall

1 Glas Rinder- oder Wildfond
1/2 Apfel
Öl
2-3 EL Balsamico-Essig
1 TL Wildgewürz "Oh, My Deer"
- von 1001 Gewürze -
Salz & Pfeffer

 Schalotten und Apfel schälen und in kleine Würfel schneiden. Zunächst die Schalotten in Öl anbraten, sie dürfen durchaus etwas Farbe bekommen. Dann die Apfelwürfel zugeben, kurz durchdünsten. Mit dem Balsamico-Essig ablöschen und mit dem Fond aufgießen. 

Mit Salz, Pfeffer und Wildgewürz abschmecken, gut durchköcheln lassen und dabei etwas einreduzieren.Wer mag, kann die Zwiebeln und Äpfel in der Sauce pürieren, dann wird sie sämiger.

So - die erste Kartoffel-Knödel-Challenge wäre bewältigt. Dann werd ich mich mal der nächsten widmen: Kartoffelknödel halb und halb - oder doch gleich die Fränkischen? Da wurde mir ein Rezept zugespielt, das klingt auch für Nicht-Franken nachkochbar...

Kommentare

  1. Wenn es bei Dir Knödel gibt, setze ich mich gerne mit an Deinen Tisch :-)). Dein Semmkloßrezept lässt mich einmal pro Woche immer an Dich denken; vorhin habe ich mir schon die Semmeln zum Trocknen geschnitten.
    Ich versorge dann jedesmal das halbe Dorf damit, nur abkochen müssen sich die Leute die Knödel selber. Das Rezept war echt perfekt !
    Ich hoffe, Du wagst Dich auch noch an die Rohen ran, diese esse ich auch so gern. Kennst Du sie auch unter dem Begriff "grüne Klöße " ? Bislang gibt es sie bei mir nur aus der Frischetheke, der Teig ist gut auch wenn ich auch sonst keine Fertigprodukte verwende.Spätestens wenn Du hier das ultimative Rezept präsentierst, folge ich Dir .....
    Eine schönen Sonntag wünsche ich den beiden Krautgärtnern
    Liebe Grüße Joona
    P.S. ich würde auf den Braten verzichten wollen, wenn`s Knödel gibt, da reicht mir die leckere Soße. Bekomme ich dann zwei von den runden mehr ;-) ?

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    1. Hallo Joona,
      das ist ja klasse - das halbe Dorf bekommt Semmelknödel :-D
      Mal schaun, wann ich an die rohen (oder "grünen") ran trau. Vor allem mit dem Auspressen hab ich so meine Bedenken - aber da hat mir ein lieber Blogleser den Tipp gegeben, das mit einer Saftzentrifuge zu machen. Insofern - neugierig bin ich genug ;-)
      Lieben Gruß Sylvia
      P.S. Knödel koch ich immer die doppelte Portion, setz Dich einfach an unseren Tisch, kriegst zwei mehr ;-)

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  2. Hallo Frau Krautgärtnerin,
    einen Tipp für Knödel(Klöße)kochen: Ins Kochwasser 1 Esslöffel Stärke mit kaltem Wasser angerührt
    geben. Dann bleiben die Knödel garantiert heile.
    Lieben Gruß Gartenhexe

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    1. Hallo Gartenhexe,
      echt? Das wusste ich noch nicht! Danke für den Tipp :-)
      Lieben Gruß Sylvia

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