Aus der eigenen Feder

So ganz wörtlich sollte man das nun nicht nehmen. Mir wachsen noch keine Federn. Aber auf der Treibjagd im Dezember habe ich eine Kanadagans erlegt, die mittlerweile bei uns ja in großer Anzahl als Neozoe heimisch geworden ist und als die weltweit häufigste Gänseart überhaupt gilt. Wenn schon ein Tier durch meine Hand stirbt, dann möchte ich zumindest versuchen, möglichst viel zu verwerten. Und so habe ich mir überlegt, was man denn sinnvolles aus den Federn machen kann.
Ganz früher wurde ja mit Federkielen geschrieben. So habe ich mal recherchiert, wie das genau ging. Und so erfuhr ich, dass man als Rechtshänder - oder als umerzogener Linkshänder wie ich - die Schwungfedern, genauer gesagt die Handschwingen des des linken Flügels zum Schreiben nimmt. Die sind dann in der Hand liegend nach rechts weggebogen und liegen so gut in derselbigen. Außerdem würde man sich ja sonst es beim Schreiben immer die Nase kitzeln :-)

Die Spitze wird dann mit einem ganz scharfen Messer in einem flachen Winkel schräg abgeschnitten. Dabei schon jetzt dran denken, wie die Feder später in der Hand gehalten wird! Dann wird das Mark wird mit einem Schaschlikspieß oder Ähnlichem zurückgeschoben oder rausgezogen, so dass der Kiel hohl ist.
Um die Feder zu härten, stellt man sie zunächst in Wasser, bis der Kiel milchig wird. Danach steckt man die Feder in heißen Sand. Hierzu einfach eine Blechdose mit Sand füllen und im Backofen auf 200° C erhitzen. Das geht bei uns auch gut im Kaminofen im Wohnzimmer. Dann die feuchte Feder für einige Sekunden in den Sand stecken. Wenn es zischt, war der Sand heiß genug. ;-)
Abschließend habe ich die Spitze mit 800er Sandpapier noch etwas geglättet. Fertig ist der Federkiel. In die Tinte eintauchen und üben. Ein ganz bisschen davon braucht es nämlich schon zum Schreiben mit einer solchen Feder. Aber es funktioniert.

Als nächstes Projekt steht jetzt die Produktion eigener Tinte an. Aber auch da habe ich schon einige interessante Anregungen gefunden - z.B. aus Eichengallen oder aus Klatschmohnblütenblättern...

Kommentare

  1. Tolle Idee. Ich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht, dass die Federn noch präpariert werden müssen, bzw. der Federkiel. Wieder was gelernt. LG Tellerränder

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