À la carte

Wir füttern die Vögel in unserem Garten schon seit einiger Zeit, da wir ihnen einen verlässlichen Ort geben wollen, an dem sie auch im tiefen Winter Nahrung finden. Naja - schau ma mal, wie tief der Winter dieses Jahr wird. Außerdem, wieso heißt es eigentlich verlässlich? Verlassen ist doch eher das Gegenteil von verlässlich? "Sich verlassen auf" ist reflexiv - aus sich gehen und jemand anderem vertrauen. Sprache ist doch immer wieder spannend. Anyway...
Die Vögel können sich darauf verlassen, bei uns Energie tanken zu können.
Erstmals haben wir keine Fertigmischung gekauft, sondern einzelne Komponenten. Das, was die Vögel die letzten Jahre verschmäht haben, haben wir jetzt gar nicht erst gekauft. So ist das Dornröschen-Vogelhaus täglich ratze-putz leer gefressen. Und das ist gut so.

Mischfutter für unsere Wintervögel

2,5 kg Sonnenblumenkerne
1 kg Hanfsamen
500 g Haferflocken
500 g Rosinen
ein Schwung Leinsamen
oder 500 g Erdnuss-Bruch
 
Die Sonnenblumenkerne und Hanfsamen - und auch die Leinsamen, aber die kommen nicht so an, womöglich ersetzen wir sie gegen Erdnuss-Bruch - sind die Klassiker für unsere Spatzen-Gang (Passer domesticus), die als Körnerfresser mit ihrem kräftigen Schnabel auf Sämereien spezialisiert sind. Aber auch die flexibleren unter den Weichfressern nehmen diese Körner gerne an. Dazu gehören bei uns im Garten Kohlmeisen (Parus major), Blaumeisen (Cyanistes caeruleus) und Nonnenmeisen (Poecile palustris), und auch ein Kleiberpärchen (Sitta europaea) schaut regelmäßig vorbei. Gleichzeitig sind die Meisen und Kleiber auch immer eifrig auf unseren Apfelbäumen auf der Suche nach Insekten unter der Rinde, so lange es die Witterung zulässt. Ein Service, den wir dankend annehmen.
Die Amseln (Turdus merula) durchwühlen, so lange kein Schnee liegt, immer wieder unsere mehr oder weniger großen Laubhaufen. Offensichtlich gibt es da noch ausreichend Getier.
Denn als reine Weichfresser suchen sie ihr Futter lieber am Boden. Allerdings ist bei uns Vogelfutter am Boden zu verstreuen keine Option. Das würde dann nämlich alles im Magen unseres Hündchens landen. Deshalb haben wir unser Vogelhaus großzügig dimensioniert, und so wird es auch von den Amseln angenommen. Sie haben es, ebenso wie die Rotkehlen (Erithacus rubecula), auf die Rosinen und die Haferflocken abgesehen. Um den Nährwert der Haferflocken zu erhöhen, haben wir einen Schwung mit  ausgelassenem Wildschweinschmalz getränkt. Die kommen richtig gut an. Noch beliebter sind nur die getrockneten Mehlwürmer, die sind morgens immer als erstes weg. ;-)
 
Auch ein Specht, meist ist das hier der ganz ordinäre Buntspecht (Dendrocopos major), war schon da und hat mal grob die Lage sondiert. Üblicherweise kommt der aber erst ans Futter, wenn es richtig Schnee hat. Und auch dann war er bei uns immer nur an den Futterglocken. Davon werden wir die nächsten Tage wohl noch welche basteln. Dazu werden wir einen Teil der Futtermischung in erwärmtes Wildschweinschmalz rühren und die Masse in Blumentöpfe, halbe Kokosnuss-Schalen oder was der Haushalt sonst so hergibt einfüllen und aushärten lassen. Am besten vor dem Aushärten noch eine "Ansitz-Stange" einbauen und an eine Möglichkeit zum Aufhängen denken. Statt Wildschweinschmalz - das wir halt im Moment noch über haben - wird auch Kokosfett oder Rindertalg empfohlen. Wichtig ist nur, dass es nicht gesalzen ist und vom Schmelzpunkt her nicht zu schnell flüssig wird und andererseits bei Minustemperaturen nicht so hart wird, dass die Vögel nichts mehr rauspicken können.
In unserem Hof haben wir derzeit noch zwei weitere Kostgänger. Dort stromern in der Dämmerung und nachts immer noch zwei Igel (Erinaceus europaeus) rum.
Sie sind zwar eher klein, aber offensichtlich gesund und nicht unterernährt. Deshalb füttern wir sie draußen mit Katzen- und Hundefutter zu - ebenfalls garniert mit ein paar getrockneten Mehlwürmern. Winterquartiere sind im zugänglichen Nachbargarten ausreichend vorhanden und so hoffen wir, dass sie doch noch zur Winterruhe kommen und den Winter gut überstehen.

Kommentare

  1. Was ein wundervoller Post, der wärmt das Herz. Tolle Fotos und dein Einsatz für die Gartenbewohner ist großartig. Sie danken es ohnehin!
    Hab eine feine Zeit
    Elisabeth

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    1. Hallo Elisabeth,
      vielen Dank für Deinen lieben Kommentar. Wenn wir ihnen beim Frühstück - derzeit nur am WoE, unter der Woche ist es zum Frühstück noch dunkel - zugucken können, wie sie geschäftig am Vogelhaus und im restlichen Garten rumwurschteln, dann ist das das bisschen Mühe wert ;-)
      Lieben Gruß
      Sylvia

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  2. Wunderschöne Fotos und spannender Bericht - wir haben auch schon mit der Fütterung begonnen und geniessen das Spektakel mit (überwiegend) Meisen + Spatzen ... eine gute Zeit LG Steineflora

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    1. Hallo Steineflora,
      ja, Meisen und Spatzen stellen bei uns auch die Hauptmannschaft. :-)
      Lieben Gruß Sylvia

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