Glück en masse

In unserem Herbst-Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern wollten wir auch die Kraniche (Grus grus) anschauen, die hier auf dem Weg in die Winterquartiere Rast machen. Schon während der Studienzeit hatte ich die Rufe der Zugvögel nachts über Göttingen gehört und viel später einmal welche bei einem Urlaub in Rügen gesehen. In Bayern bekommt man sie ja höchstens im Zoo zu Gesicht.

Nachdem wir es im zeitigen Frühjahr nicht geschafft hatten, den Brutplatz hinter dem Grundstück meines Brüderchens zu besuchen, waren die Kraniche als Programmpunkt für unseren Spätsommer-Urlaub gesetzt. Schon auf dem Hinweg in den Urlaub haben wird von der Autobahn aus hunderte Kraniche auf den abgeernteten Maisfeldern in Brandenburg gesehen.
Von Warnemünde aus sind wir einen Tag gen Fischland Darß-Zingst aufgebrochen. Im Herbst rasten hier hier Abertausende der Vögel. Die Kraniche, die den Sommer im Norden verbracht haben treffen sich mit denen, die hier brüten, um dann weiter in ihre Überwinterungs-Gebiete zu ziehen. Mehr über die Zugrouten findet ihr hier. Die Anzahl der majestätischen Tiere ist beeindruckend. Der Bestand hat sich in den letzten Jahren glücklicherweise wieder sehr stark erholt.

Der Kranich ist in vielen Kulturen ein positiv belegtes Symbol. So gilt er in Schweden als Vogel des Glücks, denn seine Ankunft kündigt den Frühling an und läutet damit das Ende der dunklen Jahreszeit ein. In China steht er für Weisheit und ein langes Leben. Bei den Kelten hüten die Kraniche das Geheimnis um das Ogham - das Keltische Baumalphabet, soll doch der keltische Gott Ogma die Oghamschrift erfunden haben, nachdem er den Flug der Kraniche beobachtet hatte. Und in der griechischen Mythologie steht er für Klugheit und Wachsamkeit.

Wachsam sind sie wirklich - denn Kraniche sind sehr menschenscheu und fliegen spätestens bei einer Annäherung auf ca. 300 m auf. Da jede dieser Störungen die Vögel Energie kostet, die sie für ihren weiteren Zug in die Überwinterungsgebiete dringend benötigen, andererseits viele Menschen inzwischen diese faszinierenden Vögel beobachten möchten, haben Naturschutz-Organisationen an verschiedenen Stellen Beobachtungs-Möglichkeiten geschaffen, ohne dass die Vögel allzusehr gestört werden.
Leider bekommen wir es planungs- und wettertechnisch nicht hin, die großen Schlafplätze auf Darß und Zingst zum Abendeinflug der Kraniche zu besuchen. So begnügen wir uns mit der Suche der Tageseinstände auf den Feldern auf dem Festland und werden auch fündig.

Mit unserer Weiterfahrt nach Wendisch Waren glaubten wir dann das Thema Kranich für diesen Urlaub erstmal abgeschlossen zu haben. Tja - wie schön, wie sehr man sich doch manchmal täuscht. Ganz in der Nähe von Wendisch Waren gibt es ebenfalls ein Naturschutzgebiet, das Schlaf- und Rastplatz für viele Zugvögel ist, auch der Kraniche. Hier gibt es ein Beobachtungshäuschen, von wo man den abendlichen Anflug ganz gut sehen kann. Es sind zwar nicht zigtausende an Vögeln wie auf Darß-Zingst, aber gut im vierstelligen Bereich - wirklich beeindruckend, wenn sie im Abendrot einfallen.
Schon lange, bevor man sie sieht, kann man sie hören. Ob das Trompeten nun schön ist, ist Geschmackssache. Laut ist es auf jeden Fall.

Und als besonderes Schmankerl haben wir auf Hof Silberweide noch unser ganz privates Kranichpaar. Es "wohnt" hinter den Pferdekoppeln und wir können es regelmässig beobachten. Vor die Kamera möchten die beiden aber nicht wirklich und wir stören sie auch nicht weiter.
Dafür weiß ich jetzt, was ich mir zu Weihnachten wünsche – ein ordentliches Teleobjektiv :-)

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