Ziemlich abgedroschen

Linsen selber anbauen – darauf muss man auch erst einmal kommen. Aber Frau Krautgärtnerin hat ja öfters solche Ideen. Und da ich, der Herr Krautgärtner, fast 20 Jahre im Schwäbischen gelebt habe und die schwäbische Küche sehr schätze, habe ich mich zu einem Versuch bereit erklärt.
Bis in die 50er-Jahre wurde die Linse (Lens culinaris) noch in Deutschland angebaut – eben auch auf der Schwäbischen Alb. Danach geriet sie über Jahrzehnte in Vergessenheit. Der Anbau ist arbeitsintensiv und teuer. Frau Krautgärtnerin hat also Saatgut bestellt und im Frühjahr mir zum Anbau übergeben. Sie wusste warum. Die Pflanze selber ist sehr anspruchlos, weshalb sie ja auch so gut auf den kargen Böden der Schwäbischen Alb gedeiht. Wir haben versuchsweise 1,5 qm in Reihen angebaut. Einsäen und wachsen lassen. Das Saatgut hat gut gekeimt und die Pflanzen haben  fast kein Unkraut durchgelassen. Von daher eine dankbare Pflanze und eine hübsche Blüte hat sie auch. ;-)
 
Aber dann. Ich war ja schon erschrocken, als die Schoten – besser Schötchen - fast reif waren. Da sind jeweils nur ein bis zwei Sämchen drin! Also hab ich gewartet, bis fast alle Schoten braun waren, habe dann das ganze Kraut geerntet und auf unserem Dachboden zum Trocknen ausgelegt.
Die Früchtchen einzeln auszupuhlen war mir aber dann doch zu müßig. Also habe ich die getrockneten Pflanzen auf einem Bettlaken ausgelegt und mit einem Kantholz kräftig drauf losgedroschen. Sehr gut zum Aggressionabbau!
Nach dem Dreschen kam noch das Sieben und Ausblasen der Spreu. Das Ganze für stolze 370 g Linsen. Kein Wunder, dass die kein Bauer mehr anbauen wollte. Aber wenn man die Literatur studiert und von unseren ein-einhalb Quadratmeter Anbaufläche auf einen Hektar hochrechnet, dann haben wir weit über dem Durchschnitt geerntet. Normalerweise liegen die Erträge bei 200 bis 1.000 kg je Hektar - bei uns wären das 2,5 Tonnen.
 
Jetzt bin ich nur noch gespannt, ob der Geschmack die Mühe wert ist.

Kommentare

  1. Linsen hab ich auch mal vor 2 Jahren versuchsweise angebaut. =D
    Mir ging es wir Dir. Ich war auch total begeistert wie problemlos die Pflanzen keimten und wuchsen. Die Ernte, bzw. die Linsen aus den Schalen zu dreschen und alles auszusieben... das brachte mich fast an meine Grenzen. Ich muss da meiner Methode noch etwas feilen. ;-) Arbeitsintensiv? Ohja!

    Geschmeckt haben sie aber super! Vielleicht starte ich im nächsten Jahr noch mal einen Versuch?!? =)

    Einen Guten wünsch ich Euch,
    viele Grüße,
    Sarah =)

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  2. Vielleicht in einen alten Bettbezug stecken und dann drauf losprügeln. Danach ein grobes Sieb, wo die Linsen durchfallen uns als letzte ein feines Sieb, wo der Staub rausfällt. Wenn man das ganze als meditative Arbeit empfindet, macht es auch Spaß. ;-)

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  3. Das ist ja der Hammer!!! Ihr habt Linsen "angebaut". Sylvia hat gar nixx erzählt. Ich bin gespannt, wie sie euch schmecken. Haltet uns auf dem Laufenden:-).

    Lieben Gruß an euch zwei!!
    claudia

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    1. Nee - keinen Hammer. Ein Holzprügel reicht ;-)

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  4. Das ist ja der Wahnsinn. Linsen selbst angebaut. Aber passt zu euch!!!! *lieb gemeint*
    LG Christine

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