Rosa Wasser

Jedes Jahr im Frühjahr beschließe ich, die Stockrosen rauszureißen. Von Schnecken zerfressen, voller roter Rost-Pusteln starten sie ins Gartenjahr und sind wahrlich keine Zier.
 
Und dann - werden die Blätter grün und mächtig, mit Blütenrispen, die sich kraftvoll über das Blätterwerk schieben, lehnen sie sich übermannshoch an unseren Gartenzaun und aus dicken Knospen scheinen die Blütenkelche im Knitterlook regelrecht heraus zu platzen, dunkelrot und ungefüllt.
 
Ein wahrer Insekten-Magnet. Vor allem (Wild-)Bienen taumeln wie trunken ganztägig von einer Blüte zur andern. Fliegende Pollentransporter, über und über bepudert, weil sie sich an Staubgefäßen und Narbe vorbeiquetschen müssen, um ihre Rüssel in die reichen Nektarquellen am Grund der Blüte zu tauchen und so ihre Überlebens-Vorräte für den Winter zu sammeln.
Den Samen haben wir eigenhändig aus unserem Texel-Urlaub importiert. Und so stellt sich mitten im Sommer jedes Jahr die Frage neu: "Soll ich sie wirklich rausreißen?"

Wenn man sie wenigstens essen könnte... Doch dann bin ich in Sarahs kleiner Welt über das Hibiskus-Rosen-Limetten-Wasser gestolpert. Nun sind Stockrosen (Alcea rosea) keine Hibiskus (Hibiscus sabdariffa). Bei letzterer handelt es sich um eine tropischen Malvenart, deren getrocknete Blütenkelche für Farbe und Geschmack in Hagebutten- und vielen Früchtetees sorgen. Und hier beginnt genau der Zusammenhang. Auch Stockrosen gehören zur Familie der Malven, ebenso wie der heimische Echte Eibisch (Althea officinalis) oder die Wilde Malve (Malva sylvestris), beides sehr bekannte Heilkräuter. Also - warum sollte die Stockrose nicht essbar sein? Ein bisschen Internet-Recherche und Stöbern in meinen Büchern brachte Gewissheit. Und weil mir die rosa-rote Farbe bei Sarahs Getränk so gut gefallen hat, hab ich mal getestet, wieviel Färbe-Potential in den Stockrosen steckt.
Stockrosen-Zitronen-Limonade

3 aufgeblühte Stockrosen-Blüten
1/2 Zitrone
die letzten reifen schwarzen Johannisbeeren
- das werden mal so eine Eßlöffel voll gewesen sein -
3/4 - 1 l Mineralwasser

Die Stockrosenblüten in eine Karaffe geben. Die Zitrone in Scheiben schneiden, die Johannisbeeren waschen und etwas andätschen. Beides zu den Stockrosen in die Karaffe geben und mit dem Mineralwasser aufgießen.

Mindestens einen halben Tag ziehen lassen. Dann hat die Limonade eine schön hellrose Tönung. Der Geschmack ist eine Mischung aus zitronig und zarte Malve.
Das nächste Mal werd ich die Blütenblätter eventuell abzupfen und  etwas quetschen. Mal schauen, ob sie dann schneller färben und der Geschmack intensiver wird.

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