Botanisier-Blumenstrauß

Die Tage konnte ich beim Hunde-Spaziergang nicht wiederstehen. Mein Hündchen ist mit seinen 13 Jahren ja nicht mehr die allerschnellste beim  Gassi-Gehen, so war es mir ein Leichtes - so nebenbei sozusagen - einen schönen Blumenstrauß zu pflücken. Daheim durfte der Herr Krautgärtner dann botanisieren, denn obwohl mehr oder weniger zufällig gepflückt, ist die Auswahl ja doch irgendwie krautgärtner-typisch :-)

Wilde Karde (Dipsacus fullonum)
Die Wilde Karde wird auch Weberdistel genannt. Denn die Weber haben die stacheligen Blütenköpfe früher zum Kämmen von Wollvliesen benutzt, um sie so auf das Spinnen vorzubereiten. Dieser Vorgang wird heute noch kardieren genannt, auch wenn er inzwischen maschinell durchgeführt wird.
Als Heilpflanze ist die Karde eigentlich eher unbekannt, gerät aber im Moment durch die Fähigkeit ihrer Wurzel gegen Borreliose zu helfen zunehmend in den Focus.

Echtes Labkraut (Galium verum)
Das Echte Labkraut enthält ein Labferment, das bei Käseherstellung zur Dicklegung der Milch genutzt werden kann. Englischer Chesterkäse wird heute noch mit Labkraut hergestellt, die Farbstoffe der Blüten geben dem Chesterkäse seine gelblich-orange Farbe und sind verantwortlich für den besonderen Geschmack.
Außerdem wird das Echte Labkraut als Färbepflanze verwendet; die Wurzeln färben rot, die Blüten gelb. Und die stark nach Honig duftenden Blüten sind zum Aromatisieren und Gelbfärben von Getränken geeignet.

Wilde Möhre (Daucus carota ssp. carota)
Die wilde Möhre ist ein Elternteil der Karotte, auch Mohrrübe genannt. Und wisst Ihr, warum die Mohrrübe so heißt? Weil in jeder Blüte ein kleiner Mohr sitzt.
Politisch jetzt nicht ganz korrekt... Muss das jetzt heißen vollpigmentierte Blüte mit afro-amerikanischem Migrations-Hintergrund? Dabei war die Wilde Möhre schon immer in Mitteleuropa heimisch. Wie auch immer. Es handelt sich hier um die durch Anthocyane schwarzrot gefärbte weibliche Blüte, umgeben von den weißen männlichen Blüten. Auf diese Art und Weise übt sie eine deutliche Signalwirkung auf mögliche Bestäuber aus.

 
Dost
(Oreganum vulgare)

Oregano wächst wild nur im heißen Süden Italiens, der Türkei und Griechenland? Mitnichten. Er ist auch bei uns heimisch und wächst gern an warmen, trocknen, kalkhaltigen Standorten wie Mager- und Trockenrasen, aber auch an Wegrändern und in lichten Eichen- oder Kiefernwäldern. Je trockner und sonniger er steht, umso würziger schmeckt er. Aber nicht nur wir Menschen sind scharf auf das aromatische Kraut. Dost ist auch eine gute Bienenweide und zahlreiche Schmetterlinge stehen ebenfalls auf den zuckerreichen Nektar.


 



Rainfarn
(Tanacetum vulgare)
 
Der Rainfarn ist gar kein Farn, sondern eine Blütenpflanze aus der Familien der Korbblütler mit knopfartigen gelben Blüten. Er wird schon lange von der Menschheit genutzt und ist vor allem wegen seiner insektenabweisenden Wirkstoffe bekannt. So soll der Rainfarn den Befall von Kartoffelkäfern um 60-100% vermindern können - mal schauen, wie wir das nächstes Jahr nutzen können?! Eine Waschung mit einem Rainfarn-Auszug soll Flöhe und Läuse vertreiben. Früher wurde er auch gegen Wurmbefall eingesetzt. Allerdings lösen innerliche Anwendungen schnell Vergiftungserscheinungen aus - also bitte nicht ausprobieren. Außerdem zählt der Rainfarn zu den Kompasspflanzen, die ihre Blätter im vollen Sonnenlicht genau senkrecht nach Süden richten.


Flockenblume
(Centaurea spec. vermutlich Centaurea jacea)

Die dicken braunen Knöpfe sind die Knospen einer Flockenblume, vermutlich der Wiesen-Flockenblume.
Diese Knöpfe bestehen aus sich dachziegelartig überlappenden Hüllblättern, die je nach Art kugel-, ei-, glocken- oder schüsselförmig.  Flockenblumen sind seit Alters her beliebte Bauerngartenblumen und sind gleichzeitig eine gute Bienenweide.

Tja - so ist das, wenn die Krautgärtner einen Blumenstrauß pflücken. Nicht nur schön anzuschauen, sondern lauter Pflanzen mit Geschichte und potentiell nützlich. ;-)

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