Wo die Bäume in den Himmel wachsen

Über unseren Urlaub in Polen 2010 haben wir ja schon berichtet - über Wisente und den Zirkuswagen, in dem wir gewohnt haben. Das alles ist schon eine Reise wert. Aber ein Förster interessiert sich natürlich in erster Linie für den Wald - und davon gibt es hier reichlich.

Der Białowieża Nationalpark liegt ganz im Osten Polens an der weißrussischen Grenze, ziemlich im Niemandsland und gilt als letzter Flachland-Urwald Europas. Das Klima ist hier - etwa in der Mitte zwischen Berlin und Moskau - schon viel kontinentaler geprägt, also deutlich trockener, die Winter kälter, dafür die Sommer heißer. Die natürliche Baumartenverteilung entspricht weitgehend der in Deutschland. Nur die Rotbuche (Fagus sylvatica) fehlt.

Foto des Monats
Scheinbar bis in den Himmel wachsen hier die Kiefern.

Auffällig ist für mich die Höhe der Bäume: deutlich höher als bei uns. Klar - in einem Urwald, der schon seit mehreren hundert Jahren nicht beerntet wird, hatten sie alle Zeit der Welt, um groß zu werden. Die Kiefer (Pinus sylvestris) wird hier bis zu 40 m hoch. So was habe ich in Deutschland bisher nicht gesehen. Auch so geradschaftig sind die Bäume bei uns eher selten.
Die Größe der Bäume macht auch das nächste Foto deutlich. Wer findet die Rotwild-Kuh (Cervus elaphus) auf dem Bild? Sie ist am unterem Bildrand links vom Baumstumpf zu finden.
 
  Suchbild mit Hirsch

Was hat diese Hainbuche (Carpinus betulus) wohl schon alles erlebt? Die Hälfte des Stammes fehlt. So wie es den Anschein hat, wurde sie vom Blitz getroffen. Trotzdem ist der Baum quicklebendig.
Hier dürfen die Bäume in Würde sterben. Was für einige unordentlich aussieht, macht den Urwald zum Urwald. Große Holzmengen lebend, aber auch große Flächen mit totem Holz und viel Licht, die zahlreichen Pflanzen, Pilzen und Tieren neuen Lebensraum bieten.
Eine der Erkenntnisse unseres Besuches im Białowieża Nationalpark: So ein Flachland-Urwald ist gar nicht duster und unheimlich, sondern erstaunlich unspektakulär und hell. Aber auf alle Fälle eine Reise wert.

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