Der Hund meiner Zukunft

Der Hund meiner Zukunft wurde heute vor genau 13 Jahren geboren. Ich bin sehr glücklich darüber, dass dieser Hund immer noch an meiner Seite ist - und die Zukunft jetzt ist. Ich wünsche mir für Dich, liebe NoAn, noch viele schöne Stunden, Tage, Monate.
Und so begann alles am 6. Juni 2001 mitten in der Nacht:

„Ring-ring!“ Träge tropft das Klingeln des Telefons in meine Träume, dringt in mein Bewusstsein und holt mich aus der Schwere des nach-mitternächtlichen Schlafes. Mein Mund formt ein zerquetschtes „Ja?“ in den Hörer. „Also – wenn du dabei sein willst, solltest du JETZT losfahren!“ Die Stimme am anderen Ende klingt erstaunlich wach und ziemlich sicher. Ich mache Zuhör-Geräusche. „Die Temperatur ist deutlich abgefallen. In zwei bis drei Stunden geht es los.“ „Hmm-mmh.“ Ich lege auf und auf dem Display erscheint die Uhrzeit – halb zwei.

„War das Vera?“ fragt mein Mann neben mir. „Hmm-mmh.“ „Fährst Du?“ „Weiß noch nicht.“ Mein Körper versucht mich wieder in die Tiefe des Schlafes zu ziehen. Aber eine kleine Unruh‘ in mir hat ihr Werk begonnen. „Auf diesen Anruf wartest Du seit ein paar Tagen! Du wolltest dabei sein. Schon immer. Wie oft wirst Du dazu die Möglichkeit haben? Schlafen kannst Du jede Nacht. Komm – raff Dich auf! Und zwar bald – sonst kommst Du zu spät!“

Ich roll mich zu meinem Mann hinüber. „Ich tu‘s. Sagst Du im Büro Bescheid?“ „Ja, mach ich. Fahr vorsichtig.“ Raus aus dem Bett, Wasser ins Gesicht, rein in die Klamotten; noch einen Espresso vor der Abfahrt. Denn selbst wenn ich die Strecke im Schlaf kenne, eine gewisse Wachheit ist dem Straßenverkehr zuträglich.

Als ich ankomme, dämmert es. Es ist Licht im Haus und ich klopfe leise an die Terrassen-Tür, um nicht alle Hunde in Aufruhr zu versetzen. Vera öffnet die Tür. „ZZ*) hatte eben die ersten Wehen. Du kommst genau richtig.“ Die Bobtail-Hündin liegt in ihrer Wurfkiste, hechelnd und mit der souveränen Ruhe einer Hündin, die nicht zum ersten Mal wirft. Sie nimmt mich wohlwollend zur Kenntnis. Es ist in Ordnung, dass ich da bin.

Es ist keine Bilderbuch-Geburt – der erste Welpe ist tot, dann ein dicker gescheckter Rüde, noch ein toter Welpe. Ich bin stiller Beobachter und versuche, das eingespielte Team von Hündin und erfahrener Züchterin nicht zu stören. Der nächste Welpe purzelt auf die Welt und wird von ZZ mit ruppiger Mütterlichkeit versorgt. Eine Hündin, klein ist sie, mit einem weißen Streifen weit in den dunklen Bereich des Rückenfells hinein. Vera legt sie mir in die Hand. „Ein Blumentopf-Hund“ sagt sie und in mir flüstert eine kleine Stimme: „Deine.“ Eine Hand voll Leben – wild entschlossen, es beherzt zu erobern.
No Angel aus der Alten Noris - 32 Tage alt

Noch ahne ich nicht, dass in einem halben Jahr in meinem Leben kein Stein mehr auf dem anderen stehen wird und ich von diesem Hund sagen werde: „Dieser Hund ist meine Zukunft.“

*) ZZ von ZZ-Top, gesprochen Si-Si.
 

Kommentare

  1. eine wunderschöne Geschichte, Sylvia. Aaaach, wie gerne hätte ich einen Hund. Aber ein paar Jahr muss ich wohl noch warten.
    Schön ist sie - Deine große Kleine!
    Viele Grüße von Renate

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  2. Hallo Renate, ich kann das Leben mit Hund nur empfehlen ;-) Lieben Dank Sylvia

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  3. Hallo Sylvia!
    Wunderbar geschrieben!
    Ich wünsche dir noch viele glückliche und gesunde Hundejahre.
    Irgendwann bekomme ich auch mal einen Hund, momentan bin ich aber auch ganz glücklich mit unserer Katze :-)

    Herzliche Grüße
    Nicole

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    1. Das wünschen wir uns auch - noch eine schöne, gesunde Zeit mit ihr. Und wenn die Zeit reif ist für einen Hund, dann findet er auch den Weg zu einem - so meine Erfahrung.
      Liebe Grüße Sylvia

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  4. Och neeee... so schön!!!! So war das also mit dir und NoAn. Happy birthday nachträglich NoAn!

    Grüßle
    claudia

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    1. Wenn wir wieder daheim sind, geb ich ihr einen Knuddler von Dir :-)
      Lieben Gruß Sylvia

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