Białowieżas Wisente

Entstanden ist die Idee bei einer Fernsehsendung über Grizzly-Bären in Alaska und der Erkenntnis, dass uns beiden, wilde Tiere in freier Wildbahn zu beobachten, deutlich mehr gibt, als menschliche Kulturgüter zu bestaunen. Also - auf zu den Grizzlys... oder Bisons... oder fangen wir einfach mal mit der europäischen Ausgabe davon an - dem Wisent (Bison bonasus). In Polen und Weißrussland gibt es die letzten freilebenden Herden dieser Wildrinderart  > Inzwischen sind sie nicht mehr die einzigen freilebenden Wisente - 2013 wurden auch in Deutschland im Rothaargebirge Wisente ausgewildert. < Über das Internet fanden wir den kleinen Öko-Reiseanbieter Wisent-Reisen und haben über diesen einen sehr individuellen Urlaub gebucht.

Und so sind wir im Juni 2010 um 2:00 Uhr morgens im Stockdunkeln auf polnischen Nebenstraßen unterwegs, um uns mit unserem Wildführer zu treffen, der die Aufenthaltsorte der Wisente in Białowieża kennt.

Das Foto des Monats
Der  Nationalpark Białowieża [bʲawɔˈvʲɛʒa] liegt an der Grenze von Polen und Weißrussland - also am ADW. Es handelt sich vermutlich um den letzen "echten" Urwald Europas.

Schon seit dem 15. Jahrhundert steht das Gebiet unter Schutz - zumindest der Wald. Grund waren die jagdlichen Interessen der wechselnden Königshäuser und Herrscher. Polnische Könige, russische Zaren und deutsche Besetzer waren sich da einig. Leider wurden die letzten freilebenden Tiere schon Anfang de 20. Jahrhunderts erlegt. Alle heute lebenden Wisente stammen von nur 12 Tieren ab, die in Zoos oder Gehegen überlebt hatten. 1952 hat man dann die ersten Tiere eben hier im Nationalpark wieder ausgewildert.
 
Nur wer wirklich an der Natur interessiert ist, wird hier richtig zufrieden Urlaub machen. Denn sonst gibt es hier nicht viel - keine Shopping-Meilen oder Kulturtempel. Nur eben viel Natur  - zu der auch abermillionen Mücken gehören *bsssss*. Nach zwei vergeblichen Versuchen um 4 Uhr morgens die Wisente in den Wäldern zu finden, sind wir diesmal richtig früh unterwegs. Unser Führer hatte prompt verschlafen (das sieht man ihm auch noch an). Schon wenige hundert Meter von seinem Haus entfernt sehen wir die ersten Tiere. Auch wenn das nur entfernte Kulissen waren, erahnt man schon, was das für Brocken sind. Bis über 1,80 m hoch und knapp 900 kg bei den Bullen.
 
Im Dauerlauf geht es dann durch den Wald zu einer bestimmten Lichtung - und tatsächlich: schon aus dem Unterholz können wir die ersten Tiere sehen und wir besteigen möglichst ruhig und unauffällig die Aussichtskanzel.
Dort können wir im Morgennebel eine ganze Herde mit Kälbern beobachten. Sie haben das Frühstück schon hinter sich und sind beim Wiederkäuen. Entspannt und würdevoll liegen sie auf der Wiese. Die Tiere wissen wohl um ihre Stärke und dass sie nicht gejagt werden.
 
Erst nachdem Frau Krautgärtnerin mehrmals ein Husten nicht unterdrücken konnte :-/, stehen sie langsam - eher genervt - auf und gucken missbilligend in Richtung der Ruhestörung. Dann machen sich gemächlich ins Unterholz davon.
Eindrücke, die man nicht so schnell vergisst. Schon ganz etwas anderes, als daheim vor dem Fernseher. Leider sind die Aufnamen nicht gerade preisverdächtig - hatte ich doch in der Aufregung die Auflösung der Kamera auf nur 1 Megapixel zurückgeschraubt. Aber bei dem diesigen Morgen hätte wohl auch eine höhere Auflösung nicht viel an der Qualität geändert.

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