'ne Wutz am Haken und jede Menge Speck

Die Frau Krautgärtnerin hat ein Wildschwein bestellt, schon vor einiger Zeit. Aber das mit dem Jagen ist halt so eine Sache, da kann man nicht so einfach bestellen. Immerhin hat da auch Jagdgöttin Diana ein Wörtchen mitzureden, oder Artemis, oder wie immer sie auch heißt.
Und deshalb genoss ich auf meinem Hochsitz am Drei-Königs-Tag einfach mal die Sonne, die durch's Holz brach, lauschte dem Vogel-Konzert, das von der Lautstärke her fast an Lärmbelästigung grenzte ;-) - und wartete ab, was der Tag, Diana und die Hunde so bringen würden.
Tatsächlich sollte die Jagdgöttin mir heute hold sein. Eine Überläufer-Bache saß direkt vor meinem Hochsitz in einer Fichten-Dickung - aber wenn Pauls Dackel-Mix auf der Fuchs-Fährte nicht mehr oder weniger über sie gestolpert wäre... wer weiß, ob ich sie bemerkt hätte.

Da hatte also Frau Krautgärtnerin ihre Wutz - und ich ein neues Problem. Denn das Gestänge, an dem ich die Rehe zerwirke, würde die ausgenommene 45 kg-Sau sicher nicht aushalten.

Also hab ich versucht, in die Stahlbetondecke einen Schwerlast-Haken zu bohren - ohne nennenswerten Erfolg. Aber dann sah ich die vom Bau der Garage herrührende Bohrung, die mit einem Plastikstopfen verschlossen war. Raus damit und in dieses Loch ein Holzstück reingetrieben, eine fette Schraube reingedreht und dann mit einem Flaschenzug aus Bergsteiger-Seil, Umlenkrolle und Karabiner die Wutz hochgezogen. Wie gut, dass ich meinen unerschöpflichen "Das-kann-man-bestimmt-noch-brauchen-Vorrat" habe ;-)

Vor dem Zerwirken hieß es dann noch die Trichinen-Schau und Bequerel-Messung abwarten. Im süddeutschen Raum ist Schwarzwild leider oft immer noch so stark verstrahlt, dass es verworfen werden muss :-( Tschernobyl lässt immer noch Grüßen.

Könnt ihr die gelbe Marke an der links hängenden Sauenhälfte sehen? Damit wird jedes erlegte Wildschwein "verplombt". Auf der Marke steht eine Nummer, und die Fleischprobe für die Untersuchungen erhält die gleiche Nummer. So ist jedes Untersuchungsergebnis eindeutig zuordenbar. Bei unserer Sau war - zum Glück - alles im grünen Bereich.
Und so wanderte nach dem Zerwirken ein ganzer Wäschekorb voll mit Wildschweinteilen in unsere Küche. Hier wurde das Meiste in portionsgerechte Stücke zerlegt und erstmal eingefroren. Nur eine Hinterkeule haben wir zu unserem Dorfmetzger gebracht, der aus ihr Schinken für uns produziert. In drei, vier Wochen können wir ihn abholen. :-P

Und dann war da noch ziemlich viel Speck, denn so 'ne Wintersau ist gut eingepackt unter ihrer Schwarte. Und wenn schon ein Tier für uns sein Leben gibt, sind wir der Meinung, dass auch möglichst viel davon verwertet werden muss. So entstanden aus dem Speck noch einige Töpfchen Schweineschmalz und am Dachboden hängt jetzt Paprika-Speck, der noch reifen muss.
 
Summa summarum sind wir so mit Hundefutter sowie Speck und Schmalz auf eine verwertbare Ausbeute von knapp 20 kg gekommen. Ich glaub, für das nächste Wildschwein kann sich Diana ein bisschen Zeit lassen.

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