Das zweite Leben der Rosskastanie

Als wir uns vor über 5 Jahren das Häuschen angeschaut haben, in dem wir jetzt leben, stand auf dem Grundstück noch eine große Rosskastanie. Die war aber leider so faul, dass sie, noch bevor wir einzogen, gefällt worden war; der Wurzelstock mit einem ordentlichen Stumpf blieb jedoch stehen. Und der hat im letzten Winter sein zweites Leben begonnen, irgendwie.
Letzten Winter sah das noch deutlich skurriler aus - da lag nämlich alles im tiefen Schnee, als im Januar die Fruchtkörper erschienen. Aber das ist ganz typisch für den Austern-Seitling (Pleurotus ostreatus), um den handelt es sich nämlich hier. Für die Fruchtkörper-Bildung benötigt er als auslösenden Reiz leichte Nachtfröste, er kann auch seine Sporen noch unter dem Gefrierpunkt bilden.
Auch der Wuchs auf Rosskastanien ist nicht untypisch, obwohl ihm Rotbuche noch lieber ist. Als Schwächepilz verursacht er Weißfäule, oft jedoch ohne nennenswerte Schäden für den stehenden Baum. Aber noch lieber besiedelt er bereits abgestorbenes Holz - so wie unseren Kastanienstumpf, zersetzt das tote Material und bringt es so wieder in den Stoffkreislauf der Natur ein.
Aber unabhängig davon schmecken sie auch lecker, zumindest die jungen Pilzhüte. Im Alter werden sie schnell zäh und muffig. Deshalb haben wir nicht lange gefackelt, spontan unsere Essensplanung umgeworfen und einen leckeren Wildschwein-Austernpilz-Topinambur-Auflauf gebastelt.
Bitte beachten!
Grundsätzlich gilt beim Pilzesammeln: Immer nur Pilze sammeln, die man sicher kennt. Bücher und das Internet können dabei eine Hilfe sein, ersetzen aber nie die eigene Erfahrung und das Wissen eines Pilzexperten. Ich bitte Euch, im Zweifel immer eine Pilzberatungsstelle (die lassen sich für jede Stadt/Region ziemlich leicht googeln) zu Rate zu ziehen.

Kommentare

  1. Grossartig was ihr so macht. Toller Blog und ich lese ganz regelmässig. Und ich würde auch gerne Pilze sammeln können. Mache ich aber nur mit Anne, wie du weisst , weil ich keine Ahnung habe. Aber unter Anleitung macht das so viel Spaß, absoluter Suchtfaktor!! Maronen und Herbsttrompeten habe ich mit ihr gesammelt. Sooo lecker! Liebe Grüsse Roswitha ( Tellerränder)

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    1. Huhu Roswitha, bei uns ist es der Herr Krautgärtner, der sich mit den Pilzen auskennt - und unsere Nachbarin ist auch echt fit. Ich sammle allein nur Röhrlinge - also Maronen, Steinpilze etc. Besser ist das ;-) Noch einen schönen Abend, Sylvia

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  2. Das ist DER Hammer, oder??? Einfach Austernpilze im Garten. Lecker:-)

    Grüßle
    Claudia

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    1. Ja, das ist ziemlich cool, einfach auf dem Grundstück Pilze pflücken zu gehen :-P
      Grüßle retour Sylvia

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