Erdsterne und Zauberpilze

Letztes Wochenende waren wir endlich auf Pilz-Jagd. Und wir haben auch einiges gefunden - ganze Pilz-Bataillone sozusagen, immerhin gut 1 cm hoch und durchaus hübsch anzusehen.
Und diese lustigen Männchen hatten sich an einer Stelle zu einem Pulk zusammengerottet.
Erdsterne (Geastrum spec.) - eine kleine Rarität

Sinnigerweise haben wir unser Pilzbuch zuhause liegen lassen, und so haben wir die Art nicht genau bestimmen können. Und mit genommen haben wir keinen, denn nahezu alle Arten stehen in Bayern auf der Roten Liste.
Ihre seltsame Stern-Form kommt durch einen raffinierten Mechanismus zu Stande. Die äußere Hülle des zunächst kugel- bzw. zwiebelförmig im Erdboden wachsenden Pilz reißt am Schopf auf, und da die innere Seite diese Hülle - im Gegensatz zur Außenseite - quellfähig ist, schlägt sie praktisch sternförmig nach außen um. Dadurch wird der kugelige Fruchtkörper geöffnet und sogar noch in die Höhe gestemmt. Und dort lässt er bei der kleinsten Berührung - ein Regentropfen reicht aus - seine Pilzsporen frei.

Sicher keine Rarität sind diese "Männlein mit dem purpurroten Mäntelein", die ziemlich zahlreich "still und stumm auf einem Bein" im Wald rumstanden. Ein Pilzbuch zur Bestimmung haben wir dazu nicht gebraucht :-)

Fliegenpilz (Amanita muscaria) - der Zauberpilz
Der Fliegenpilz ist schwach giftig und trotzdem hat seine Verwendung eine lange Tradition. Allerdings weniger im kulinarischen Bereich, obwohl er im Umland von Hamburg, Ostpreußen und Sibirien wohl tatsächlich als Speisepilz genutzt worden ist.

Nein - seine lange Tradition liegt eigentlich im religiös-mysthischen Bereich und die verdankt er seinem Hauptwirkstoff - der Ibutensäure, die psychoaktiv wirkt. Das wussten schon die alten Völker und er wurde in vielen Kulturen als Rauschmittel für rituelle Handlungen eingesetzt. So wird er bei den Schamanen einiger Völker in Sibirien seit Jahrtausenden wegen seiner ekstase-auslösenden Eigenschaften verwendet, er gilt als göttlich und sein Konsum lässt den Menschen mit der spirituellen Welt verschmelzen.

Ein Fliegenpilz-Rausch besteht neben Übelkeit und Erbrechen u.a. aus Halluzinationen im visuellen, akustischen und sensorischen Bereich, die mit einer Selbstüberschätzung der eigenen Kräfte einhergeht, Dinge größer oder kleiner erscheinen lässt und es kann ein Gefühl der Schwerelosigkeit entstehen. Sicher auch ein Grund, warum der Fliegenpilz zu den üblichen Zutaten einer Hexen-Flugsalbe gehört.

In der germanischen Mythologie ist der Fliegenpilz Wotan, dem Gott der Ekstase und des Rausches, zugeordnet und wenn dieser zur Wintersonnwende durch die Wolken reitet, entsteht aus jedem Tropfen Schaum aus dem Maul seines Rosses, der auf den Boden fällt, ein Fliegenpilz. So einfach ist das ;-)
Da wir keinerlei Interesse an Selbstversuchen dieser Art haben und sie auch in keinster Weise empfehlen - bleiben die Fliegenpilze dort, wo wir sie waren.

Aber es gab noch mehr Funde, neben reichlich menschlichem Müll :-( Die Reste eines Reh-Gerippes, einen verlassenen Bau - vermutlich vom Fuchs - und unser Hündchen hab ich auch wieder gefunden, nachdem es alterstüddelig in die falsche Richtung losgestiefelt ist.

Nachdem dann das Hündchen wieder da war, hab ich dieses "Männlein mit dem grünen Hemdelein" (seht ihr es im Hintergrund?) gesucht - und gefunden. Das hab ich dann mit nach Hause genommmen; und dazu noch vier Röhrlinge und zwei Milchlinge. Die Pilze haben wir einfach in Butter gebraten und kurz in Himbeer-Essig mariniert.
Zwei Happen, schwupps und weg.

Kommentare

  1. Hallo Sylvi,

    interessanter Fundbericht - ich hätte jedoch noch eine klitzekleine Anmerkung zum "Zauberpilz" namentlich dem Fliegenpilz zu machen: Es ist nämlich eine weitverbreitete Mär, dass der Fliegenpilz nur giftig und wenig Nutzen hätte. Neben schamanisch-spirituellem Nutzen ("Rausch"), kann der Fliegenpilz von Fachkundigen in kleinsten Dosen als wirksame Medizin eingesetzt werden, vor allem bei Nervenleiden! (Vgl. Christian Rätsch, Enzokl.). Ich finde es ganz wichtig unter Pilzfreunden, auch diese Seite der Medaille zu kennen :)

    Viele Grüße!

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    1. Hallo Zauberpilzfreund,
      vielen Dank für Deine Anmerkung. Ja, Du hast recht - auch diese Facette des Fliegenpilzes ist berichtenswert.
      Viele Grüße Sylvia

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